ARD/ZDF-Online-Videothek
Private Konkurrenz geht auf die Barrikaden

Die geplante Online-Videothek von ARD und ZDF sorgt für dicke Luft: Die beiden Sender wollen ihre TV-Produktionen zum Abruf im Internet anbieten, doch die Privaten laufen dagegen Sturm. Das Kartellamt prüft noch.

DüsseldorfWenn am Sonntagabend Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) auf Verbrecherjagd gehen, sitzen oftmals mehr als elf Millionen Zuschauer vor dem Fernseher, um das Wochenende mit dem „Tatort“ ausklingen zu lassen. Doch das Ritual könnte bald der Vergangenheit angehören: ARD und ZDF wollen ihre Fernsehproduktionen bereits ab nächstem Jahr in einer Online-Videothek zur Verfügung stellen. Dort könnten Nutzer sie jederzeit herunterladen. Bislang bieten die beiden Sender nur eine Mediathek an, in der Filme, Dokumentationen und Nachrichten eine Woche lang nach Ausstrahlung abgerufen werden können. Wer das Zeitfenster verpasst, hat Pech gehabt.

Um ihr reichhaltiges Archiv besser zu vermarkten, wollen die beiden Sender nun unter dem Titel „Germany's Gold“ Produktionen der vergangenen 60 Jahre anbieten. Das bestätigte eine Sprecherin der WDR-Werbetochter. Die privaten Wettbewerber laufen Sturm gegen das Vorhaben, das Kartellamt prüft die Pläne bis Ende November zunächst fusionsrechtlich.

Der Branchenverband der Privatsender, VPRT, spricht von einer „Wettbewerbsverzerrung“. „Wir sehen das Projekt sehr kritisch“, sagte VPRT-Geschäftsführer Claus Grewenig. Es stelle sich die Frage, warum ARD und ZDF Geld für ein Videoportal ausgeben, obwohl private Videoportale wie Maxdome von ProSiebenSat1 den Bedarf bereits abdecken. Maxdome ist mit 35000 Filmen und Serien die größte deutsche Online-Videothek.

„Wir sehen hier ein weiteres Symptom des ungebremsten Expansionsdrangs der öffentlich-rechtlichen Sender“, sagte Conrad Albert, Vorstand für Recht, Vertrieb und Regulierung bei ProSiebenSat1 , dem Handelsblatt. „Wenn Deutschland als Medien- und Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig bleiben soll, brauchen wir eine klare Grenzziehung des öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsauftrags.“

Die private Konkurrenz geht auch deshalb auf die Barrikaden, weil die Wettbewerbshüter RTL und ProSiebenSat1 erst im März dieses Jahres untersagt hatten, eine gemeinsame Video-on-Demand-Plattform zu gründen. Die Kartellbehörde war der Auffassung, dass dies das „nach wie vor bestehende marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen auf dem Markt für Fernsehwerbung weiter verstärken“ würde. Gegen die Entscheidung klagen die TV-Konzerne. Ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf steht noch aus.

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