
DÜSSELDORF. Schon einmal war der Jubel derart laut in der New Yorker Firmenzentrale von AOL. Von einer „Jahrhundert-Fusion“ war vor gut zehn Jahren die Rede, als der damalige Internetgigant mit dem Medienkonzern Time Warner zusammenging. Heute wissen wir: Die 100-Milliarden-Dollar-Fusion, durchgezogen vom legendären Gründer und Konzernchef Steve Case, endete im Desaster.
In der Nacht zu Montag nun waren ähnlich euphorische Töne zu hören: Es wachse „ein amerikanisches Medienunternehmen der nächsten Generation mit weltweiter Reichweite“ heran, verkündete AOL-Chef Tim Armstrong.
Er sprach vom soeben vereinbarten spektakulären Kauf des linksliberalen Online-Magazins „Huffington Post“ für 315 Millionen Dollar. Es sei „eine Situation, in der eins plus eins elf ergibt.“ Und Gründerin Arianna Huffington schwärmte: „Es ist erstaunlich, wie ähnlich unsere Visionen sind“.
Doch AOL ist im Vergleich zu seinen Hochzeiten Ende der 90er-Jahre nur noch ein Schatten seiner selbst. Das frühere Kerngeschäft mit Internet-Zugängen schrumpft anhaltend, das Management versucht, mit Einsparungen samt Massenentlassungen die Auswirkungen einzudämmen. Der Gesamtumsatz brach im vierten Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent auf 596 Millionen Dollar ein. Auch die Werbeeinnahmen schwächeln: Sie sanken um 29 Prozent auf 332 Millionen Dollar.
Armstrong, seit März 2009 am Ruder, glaubt nun eine Strategie gefunden zu haben, um den Konzern in die Zukunft zu retten. Sie heißt: Inhalte anbieten und Werbeumsätze daraus gewinnen. „In Infrastruktur und Plattformen ist genug investiert“, philosophierte er schon nach der Trennung von Time Warner 2009. „Die dritte Welle im Internet wird den Inhalten gehören.“