Armband und Mobilplattform
Samsung stiehlt Apple die Gesundheits-Show

Das nächste Schlachtfeld zwischen Apple und Samsung um die Vorherrschaft im mobilen Internet ist bereitet. Die Koreaner starten mit dem smarten Armband Simband den Kampf um Patienten. Doch Apple wird bald zurückschlagen.
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New YorkMit Kleinigkeiten gibt sich Young Sohn gar nicht erst ab. Samsung will eine offene mobile Plattform für die Gesundheitsindustrie des 21. Jahrhunderts schaffen. Die Verbindung von IT-Technik und Gesundheitswesen sei „die größte einzelne Chance, die sich in unserer Generation eröffnen wird“, fasst der Präsident von Samsung Electronics und Chef von Samsungs Silicon-Valley-Ideenlabor die Situation zusammen – und nennt markante Zahlen: 70 Prozent der Menschen sterben in Zukunft an chronischen Erkrankungen, 1,2 Milliarden Menschen werden 2015 über 65 Jahre alt sein und an Gesundheitskosten fallen jedes Jahr weltweit 6,5 Billionen Dollar an.

Das ist der Markt, von dem sich Samsung ein großes Stück abschneiden will. Sozusagen „the next big thing“ im Silicon Valley. Die Hoffnung: Wer seine Körperdaten kennt und überwacht, der ändert sein Verhalten.

Nach einer Studie des Risikokapitalinvestors Rock Health wanderten 2013 rund 1,9 Milliarden Dollar in 195 Start-ups im Gesundheitsbereich. Das waren 39 Prozent mehr als im Vorjahr. Gut die Hälfte der Firmen sitzt in Kalifornien.

Die Zeit ist reif. Die vergangenen fünf Jahre gehörten den Smartphone-Apps für Wellness, proklamiert Sohn. Das Heute gehört den Fitness-Armbändern. Nach einer Studie von IHS Technologies werden mit diesen eher ungenauen Messgeräten für Sportaktivitäten und Wellness in 2018 gut 2,8 Milliarden Dollar umgesetzt. Im vorigen Jahr waren es noch 1,9 Milliarden Dollar . Samsung hat hier ein Problem: Im ersten Quartal 2014 beherrschte Fitbit mit mehr als 50 Prozent der weltweit verkauften Wellness-Bändern diesen Markt und Samsungs Marktanteil mit Gear sank rapide auf 23 Prozent, berichtet Canalys. „Samsung muss die Kundenzufriedenheit deutlich erhöhen“, warnt der Marktforscher.

Daran wird jetzt gearbeitet. Die Zukunft gehört Gesundheitssensoren, die am Körper getragen werden, prognostiziert Samsung. In San Francisco gab es am Mittwochabend eine Menge Pläne, Ankündigungen und Versprechungen. Der Star war ein Armband, Simband genannt, das Informationen über Werte wie Blutdruck, Herzschlagfrequenz, Körpertemperatur oder Sauerstoffgehalt sammeln, anzeigen oder an Apps, Ärzte, Krankenhäuser oder Versicherungen weiterleiten kann.

Simband steht und fällt mit der Präzision der benutzten Sensoren. Die Koreaner räumen ein, dass die Werte noch lange nicht exakt genug sind für echte medizinische Anwendungen. Simband ist nur ein Prototyp. Aber der weltgrößte Halbleiter-Hersteller will eine Vorreiterrolle spielen. Kaum ein Markt ist so streng reguliert und überwacht wie der für medizinische Geräte. Wer hier als erster eine medizinische Zertifizierung für seine am Körper tragbaren Sensoren bekommt, der bestimmt das gigantische Geschäft. Und das will Samsung sein. 25 Prozent aller Halbleiter werden heute bereits in mobilen Internetgeräten verbaut. In Samsungs Flaggschiff Galaxy 5 arbeiten neun Sensoren.

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