Arthur Sulzberger
Ehemaliger Verleger der „New York Times“ gestorben

Das Talent erbte er von seinem Vater, doch im Zeitungsbetrieb übertraf er dessen Leistungen um ein Vielfaches. Arthur Sulzberger galt als Meister seines Fachs. Nun ist der Ex-Verleger der „New York Times“ gestorben.
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New YorkDer legendäre „New York Times“-Verleger Arthur Ochs Sulzberger ist tot. Sulzberger sei am Samstag im Alter von 86 Jahren nach langer Krankheit in seinem Haus in Southhampton nahe New York gestorben, teilte die Zeitung unter Berufung auf seine Familie mit.

US-Präsident Barack Obama ließ mitteilen, dass er und seine Frau Michelle mit großer Trauer vom Tod Sulzbergers erfahren hätten. „Er hat immer an die Bedeutung einer freien und unabhängigen Presse geglaubt, die keine Angst hat, nach der Wahrheit zu suchen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die Geschichten zu erzählen, die erzählt werden müssen.“

1963 hatte Sulzberger die New Yorker Tageszeitung, die sein Großvater rund 70 Jahre zuvor gekauft hatte, übernommen. Schon damals war sie einflussreich und preisgekrönt - aber auch in finanziellen Nöten. Sulzberger ließ das Blatt in den ganzen Vereinigten Staaten verkaufen und machte es zum Herzstück eines Medienkonzerns und zur führenden Zeitung der USA. In den 1990er Jahren übergab er die Geschäfte an seinen Sohn.

Sulzberger begann seine Karriere bei der NYT als Reporter, folgte dann aber im Alter von 37 Jahren seinem Vater und seinem Großvater als Verleger nach. Unter seiner Führung gewann die Zeitung 31 Pulitzer-Preise, die Auflage an Wochentagen stieg in der Zeit von seinem Amtsantritt 1963 bis zu seinem Rücktritt 1992 von 714.000 auf 1,1 Millionen - trotz schwindender Leserzahlen bei vielen anderen Blättern.

In derselben Zeit stieg auch der Umsatz des Mutterkonzerns von 100 Millionen auf 1,7 Milliarden Dollar. Inhaltlich steuerte er den Umbau der NYT zu einem leserfreundlicheren Blatt.
Unter Sulzbergers Leitung gewann die Zeitung auch einen Prozess, durch den die in der US-Verfassung festgeschriebene Pressefreiheit entscheidend gestärkt wurde, als der Oberste Gerichtshof der USA 1971 entschied, dass die Veröffentlichung geheimer „Pentagon-Papiere“ über den Vietnamkrieg durch die NYT und die „Washington Post“ rechtens war. „Es war ein entscheidender Moment für ihn und in den Augen vieler Journalisten und Historiker, sein größter“, urteilte die „New York Times“.
Sulzberger war der einzige Enkel von Adolph S. Ochs, eines Sohns bayerischer Einwanderer, der die NYT 1896 übernahm und ihren Aufbau zur einflussreichsten Zeitung der USA einleitete.

Der in den USA respektvoll unter dem Spitznamen „Punch“ (Durchsetzungsvermögen) bekannte Sulzberger verordnete der „New York Times“ ein radikal neues Design und ergänzte sie um weitere Teile, beispielsweise „Wohnen“, „Wissenschaft“ oder „Wochenende“. Beide Entscheidungen setzten neue Maßstäbe und wurden weltweit kopiert. Sulzberger sei ein „kraftvoller und visionärer Verleger“ gewesen, schrieb die „Los Angeles Times“ in einem Nachruf. Die Familie hat durch ihre Sonderaktien, die ihr mehr Stimmrecht verleihen, immer noch die Kontrolle über die Zeitung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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