Asiengeschäft soll stark wachsen
Infineon vor Großauftrag in China

Prestigeerfolg für Infineon: Das Münchener Unternehmen soll Chips für die neuen chinesischen Ausweise liefern. Nach Angaben aus Branchenkreisen sei so gut wie sicher, dass Infineon zusammen mit einem lokalen Partner zum Zuge kommt. Die Volksrepublik plant, in den nächsten Jahren rund eine Milliarde Chipkarten- Ausweise an seine Bevölkerung auszugeben.

HB MÜNCHEN. Ein Infineon-Sprecher wollte den Auftrag am Wochenende nicht bestätigten. Infineon wollte sich auch nicht zum Namen seines chinesischen Partners äußern. In den Kreisen hieß es jedoch, dass der Deal so gut wie beschlossen sei. China legt nach Angaben der Branchenexperten aber großen Wert darauf, dass das Projekt mit einem möglichst hohen Anteil lokaler Zulieferung ausgeführt wird. Deshalb ist offen, wie viel Infineon durch den Auftrag letztlich einnehmen und verdienen wird.

„Das ist grundsätzlich ein gutes Zeichen für das China-Geschäft von Infineon“, urteilt Oliver Wojahn von der Hamburger Berenberg Bank. „Allerdings kann es sein, dass die Margen in so einem Geschäft nicht besonders hoch sind.“

Infineon hat sich in den vergangenen Jahren bereits bei ähnlichen Aufträgen im Ausland durchgesetzt. So lieferte die frühere Siemens-Tochter elf Mill. Chips für Gesundheitskarten in Taiwan. Dieser Tage beginnt die Auslieferung von knapp sieben Mill. Karten mit Infineon-Chips in Hongkong. Darüber hinaus hat auch das US-Verteidungsministerium zwei Mill. Chips bei den Bayern geordert. In der Regel kostet ein Chip zwischen einem und zwei Euro. Zu welchem Preis die Deutschen in China anbieten, ist nicht bekannt. Unklar ist auch, ob noch andere Halbleiter-Hersteller als Zulieferer Aufträge bekommen.

Mit der Ausgabe von etwa einer Milliarde Chipkarten in den nächsten fünf bis sechs Jahren will China die bisherigen Papierausweise ersetzen. Mit den neuen Dokumenten sollen vor allem Fälschungen unterbunden werden. In einigen großen Städten werde die Einführung der Chipausweise bereits im kommenden Jahr beginnen, hieß es jüngst in asiatischen Medienberichten.

Auftrag wäre wichtiger Schub

Der Auftrag wäre ein wichtiger Schub für die zuletzt schwache Chipkarten-Sparte des Konzerns. Im zweiten Quartal lag der Bereich bei einem Umsatz von 387 Mill. Euro mit 17 Mill. Euro in den roten Zahlen. Die Sparte leidet besonders darunter, dass das Geschäft mit Chipkarten für Mobiltelefone nicht mehr so stark wächst wie früher. Die Preise in dem hart umkämpften Markt fielen wegen riesiger Überkapazitäten vergangenes Jahr teilweise um mehr als ein Viertel. Nach Angaben der Marktforscher von Frost & Sullivan wurden 2002 weltweit insgesamt 1,91 Mrd. Chipkarten ausgeliefert.

Infineon ist in China bereits an sechs Standorten vertreten und beschäftigt dort 800 Leute. In den nächsten Monaten baut die Firma auch noch ein Design-Zentrum auf.

Der jüngste Erfolg in dem Land passt in die Strategie des Konzerns, das Asiengeschäft deutlich auszubauen. „Wahrscheinlich werden wir in einigen Jahren 40 bis 45 Prozent unseres Umsatzes in Asien machen“, sagte Infineons Asienchef Loh Kin Wah jüngst im Gespräch mit dem Handelsblatt. Derzeit liegt der Anteil bei etwa einem Drittel. Loh: „Asien wird nicht nur als Produktionsstandort immer wichtiger, sondern auch für den Verkauf.“

Infineon ist wie viele andere Halbleiterhersteller in den vergangenen Monaten zahlreiche Kooperationen mit asiatischen Produzenten eingegangen. In China und Taiwan baut der Konzern zusammen mit lokalen Unternehmen auch neue Werke. Dabei soll es aber nicht bleiben: „Wir werden in allen Bereichen noch mehr Partnerschaften eingehen. Wir sind offen für eine Zusammenarbeit mit allen Firmen“, betonte Loh.

China als mit Abstand größter Markt der Region wird dabei für Infineon zur besonderen Herausforderung. Asienchef Loh: „Wir müssen in China sehr schnell sein. Wer auf diesen riesigen Markt nicht dabei ist, wird auf Dauer verlieren.“ Galten Geschäfte in dem bevölkerungsreichen Land früher als ausgesprochen risikoreich, so sieht Loh heute kaum mehr Probleme: „Die neue Generation dort ist sehr geschäftstüchtig. Mit diesen Leuten kann man gut zusammen arbeiten. Zudem werden die Geschäfte in China viel verlässlicher.“

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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