Attacke auf Amazon und Ebay
Google bringt jetzt auch die Brötchen

Google greift die großen Rivalen Amazon und Ebay frontal an: Der Webgigant will nun auch im Online-Handel mitmischen und startet einen eigenen Lieferdienst. Die Einkäufe der Kunden sollen am selben Tag geliefert werden.
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„Guten Morgen, ich bin der Google-Mann, ich bringe das Frühstück.“ Der Webgigant unternimmt einen weiteren Anlauf, sein Geschäftsfeld in die reale Welt auszuweiten. Ein Lieferservice in San Francisco wird Google-Kunden noch am gleichen Tag ihre Einkäufe nach Hause bringen. Mit dem Schritt betritt der Suchmaschinenkonzern notgedrungen ein margenschwaches, aber hart umkämpftes Geschäftsfeld. Der Grund: Er will den E-Commerce nicht kampflos an Amazon und Ebay verlieren.

Adrett gekleidete Fahrer mit Google-T-Shirt und wendigen Stadtlieferwagen mit Google-Logo werden ab Sommer ausgewählten Kunden ihre Online-Käufe bei großen Ketten wie Target, Walgreens, Staples oder Office Depot frei Haus anliefern. Je mehr Partner, desto lieber, auf der Webseite von Google Shopping Express wirbt der Konzern aktiv um weitere Händler, die sich anschließen wollen. Für die Kunden soll der Service, zumindest derzeit, kostenfrei sein.

Vorgemacht hat es Amazon. Der Amazon Prime-Service, der für eine einmalige Jahresgebühr von 79 Dollar unbeschränkte Frei-Haus-Lieferung innerhalb von zwei Tagen garantiert, ist ein großer Erfolg.

Morningstar-Analyst RJ Hottovy hält diese Premium-Kunden von Amazon nicht, wie oft gemutmaßt, für einen ein notwendigen Kostenfaktor, sondern für Ertragsperlen. Zusammen mit der Konsumenten-Organisation CIRP (Consumer Intelligence Research Partner) bringt der Analyst Licht ins Dunkel der Amazon Prime Customers. Der Beitrag dieser Kundengruppe werde von Investoren schlicht „nicht verstanden“, glaubt er. Aber offenbar hat ihn Google-CEO Larry Page schon verstanden.

Ende 2012 waren es laut Morningstar und CIRP-Erhebungen bereits zehn Millionen Amazon-Prime-Mitglieder und bis 2017 wird ein Anstieg auf 25 Millionen erwartet. Die Umsätze aus der Mitgliedschaftsgebühr sind dabei nur ein nettes Zubrot zur Kostendeckung. Der wahre Wert steckt in der Kaufbereitschaft. Premium-Kunden geben pro Jahr mit gut 1200 Dollar doppelt so viel wie der normale Amazon-Kunde aus, kaufen öfter und teurere Waren.

Das sind die Zahlen, die Google elektrisieren. Der Einstieg in den Online-Handel war bisher nur von mäßigem Erfolg gekrönt, und Amazon mit seinen Kindle-Tablets ist längst bevorzugtes Ziel der mobilen Online-Käufer.

Auch Ebay versteht den Wert der schnellen Lieferung für die Kundenbindung. Mitte 2012 hat das Unternehmen die Testphase von Ebay now in San Francisco gestartet, einer Plattform, bei der die Ware innerhalb von einer Stunde geliefert werden soll. Nun soll der Wirkungskreis nach New York auch bald auf Chicago und Dallas ausgeweitet werden, wie der Online-Händler auf seinem Analystentag jetzt bekannt gab.

Der lokale Lieferservice soll zudem fester Bestanteil des „Kauferlebnis“ werden. Dan Glasgow, Vice President für mobile & local bei Ebay verweist darauf, dass noch immer 90 Prozent aller Einkäufe in Läden und nicht online getätigt werden. Und 75 Prozent der Einkäufe würden im Umfeld von 15 Meilen um den Wohnort stattfinden. Ein lokaler Lieferservice zur Kundenbindung bekommt so einen ganz neuen Stellenwert.

Der defensive Zug von Googles Aktion ist für Analysten wie Rob Enderle von der Enderle Group dementsprechend kaum übersehbar. „Amazon hat tiefe Furchen durch die Einzelhandelslandschaft gezogen“, erklärt er gegenüber der Silicon Valley-Zeitung Mercury News, „und drückt mit seinen Tablets immer stärker in Google-Terrain. Das ist nun so ein 'wie du mir, so ich dir'“. Aber nicht nur die die Online-Konkurrenten halten dagegen: Einzelhändler wie Wal Markt bieten mittlerweile ebenfalls Lieferdienste an, um ihre Kunden bei der Stange zu halten.

Laut Google-Blog können sich die Käufer mehrere Zeitfenster für den Lieferzeitpunkt auswählen. Waren, die bis spätestens 17 Uhr bestellt werden, sollen nicht später als 21 Uhr beim Kunden sein. Die Lieferungen werden direkt vom nächstgelegenen Ladengeschäft aus erfolgen. Das umgeht das Problem von großen, kostenintensiven Logistik-Zentren und Lagerhäusern, wie Amazon sie betreibt.

Die endgültige Preisgestaltung steht noch nicht fest, so Googles Produktmanager Tom Fallows, aber die Tester im Silicon Valley werden zunächst einmal einen sechsmonatigen kostenlosen Dienst erhalten. Der Lieferdienst, so er einmal landesweit ausgedehnt wird, könnte auch einen deutlichen Schub für Googles Zahlungssystem Wallet bedeuten.

Der gesamte Einzelhandel, ohne Autoverkäufe, Restaurants und Tankstellen, wird nach Schätzungen der National Retail Federation in den USA dieses Jahr um 3,4 Prozent wachsen, der Onlinehandel um neun bis zwölf Prozent.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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