AT&T kauft T-Mobile
Übernahme erschüttert den US-Mobilfunkmarkt

Der geplante Kauf von T-Mobile USA durch AT&T wälzt den US-Mobilfunkmarkt um. Nach der Übernahme könnte vor der Übernahme sein.
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DüsseldorfDie Deutsche Telekom will ihre US-Mobilfunksparte an den Wettbewerber AT&T verkaufen - und erschüttert damit von jetzt auf gleich den gesamten amerikanischen Mobilfunkmarkt. Findet der 39-Milliarden-Dollar-Deal das Wahlwollen der Kartellbehörden, dann hat die Übernahme das Zeug zum echten “Game-Changer”. Denn mit gemeinsam 130 Millionen Kunden wäre AT&T/T-Mobile  auf einen Schlag der größte Mobilfunkanbieter Amerikas. Und das mit Abstand. Das hat Konsequenzen, ganz besonders für die neue Nummer drei in den Vereinigten Staaten: Sprint, das dann gleich dreimal kleiner wäre als AT&T und T-Mobile.

Für Sprint hätte das laut Analysten noch gar nicht absehbare Folgen - sowohl auf der Netzwerkseite als auch bei den Endgeräten. Denn während AT&T, T-Mobile und der künftig zweitgrößte Anbieter Verizon auf den UMTS-Nachfolger LTE setzen, würde Sprint mit dem Mobilfunkstandard WiMax relativ alleine dastehen. Und dann bleibt da noch die für Experten keineswegs unbegründete Befürchtung, dass große Hardwarehersteller sich vor allem auf die beiden größten Carrier in den USA konzentrieren würden - und kleinere Gesellschaften wie Sprint leer ausgehen könnten.

Für Sprint ist die Übernahme von T-Mobile durch AT&T vor allem aber deshalb bitter, weil Sprint wohl gerne selbst mit der US-Sparte der Telekom zusammengegangen wäre. Jetzt, so Analyst Jamie Townshend von Town Hall Investment Research, habe Sprint einen potenziellen Fusionspartner verloren und im Gegenzug einen bedeutend gefährlicheren Wettbewerber erhalten. “Damit landet Sprint in einer viel schwächeren Position als Nummer drei des Marktes”, sagt denn auch Charles S. Golvin, Analyst beim Marktforschungshaus Forrester.  “Das ist eine echte Herausforderung für Sprint.” Und die Kollegen von CCS Insight schreiben in ihrer Blitz-Analyse: “Mit dieser überraschenden Entwicklung bleibt Sprint weit zurück.”

Das weiß das 2005 durch eine Übernahme von Nextel erst vergrößerte Unternehmen auch. In einer Stellungnahme heißt es: Ein Zusammenschluss von AT&T und T-Mobile USA werde die Struktur der Kommunikationsindustrie dramatisch verändern. Am Ende werde die Mobilfunkbranche massiv durch zwei Unternehmen dominiert, die gemeinsam 80 Prozent des Marktes kontrollieren würden. Weil das so kommen könnte, hofft Sprint jetzt auf die amerikanischen Kartellbehörden. Und damit dürfte der Mobilfunkkonzern nicht alleine sein. Neben Sprint gehören auch Unternehmen wie Clearwire oder LightSquared zu den klaren Verlierern des AT&T-Telekom-Deals, wie etwa das US-Wirtschaftsmagazin Barron’s schreibt.

Mögliche Folge: Nach der Übernahme ist vor der Übernahme. Die nun deutlich geschwächten Wettbewerber des großen neuen Riesen könnten selbst gezwungen sein, möglichst schnell neue Kooperationen zu schmieden. Wenn dann auch noch Verizon die Nummer drei Sprint übernehmen würde, hätten die Amerikaner am Ende nicht nur ein theoretisches, sondern ein tatsächliches Duopol. Wenn es denn dazu kommt. In Washington regt sich Widerstand - wahrscheinlich wegen genau dieser befürchteten Entwicklung. Der demokratische Senator Jay Rockefeller hat die Behörden aufgefordert bei ihrer Prüfung der Übernahme “jeden Stein einzeln umzudrehen”.

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