AT&T und T-Mobile: US-Justiz will Deal prüfen

AT&T und T-Mobile
US-Justiz will Deal prüfen

US-Mobilfunkanbieter Sprint Nextel hatte mit einer kartellrechtlichen Klage den Deal zwischen AT&T und der US-Tochter von T-Mobile gedroht. Es solle hier ein Duopol entstehen.
  • 0

Washington/New YorkDer geplante Verkauf der US-Tochter der Deutschen Telekom an den Rivalen AT&T beschäftigt nun auch die Justiz. Der Generalstaatsanwalt von New York kündigte am Dienstag an, mögliche wettbewerbsfeindliche Auswirkungen auf Privatkunden und Unternehmen zu prüfen.

Mit dem Geschäft könne ein „Beinahe-Duopol“ entstehen, erklärte Eric Schneiderman. Er wolle sicherstellen, dass es auch weiter günstige Mobilfunkangebote gebe. „Mobiltelefone sind nicht mehr ein Luxus für ein paar wenige, sondern eine Notwendigkeit“, erklärte der Jurist.

Die Telekom will ihre Tochter T-Mobile USA für 39 Milliarden Dollar an AT&T verkaufen. Der US-Konzern und der Konkurrent Verizon Wireless würden dann 80 Prozent aller Mobilfunk-Vertragskunden betreuen. Der drittgrößte US-Mobilfunker, Sprint Nextel, hatte am Montag die US-Regierung aufgefordert, das Vorhaben zu stoppen.

Sprint Nextel forderte kartellrechtliche Schritte. Die geplante Übernahme schade Kunden und dem Wettbewerb, hieß es. AT&T versuche, ein Duopol zu schaffen. Daher müsse die US-Regierung das Vorhaben verbieten. Die Prüfung des Verkaufs durch die Kartellbehörden wird wohl mindestens ein Jahr dauern.

Sprint steht in scharfem Wettbewerb mit seinen größeren Konkurrenten. Mit dem Kauf von T-Mobile USA von der Telekom würde AT&T den bisherigen Marktführer Verizon Wireless  überholen. Die kartellrechtliche Prüfung des Vorhabens in den USA dauert wahrscheinlich mindestens ein Jahr.

„Wir haben in den USA niemals zuvor ein Geschäft gesehen, das mehr regulatorischen Risiken ausgesetzt ist“, schrieb Credit-Suisse-Analyst Jonathan Chaplin. Es wäre „phänomenal, wenn es klappen würde“. Denn wenn AT&T die kleinere T-Mobile USA tatsächlich schluckt, dann blieben von vier großen US-Mobilfunkanbietern noch ganze drei übrig, wovon zwei - AT&T und der Rivale Verizon - die absolut dominanten Spieler wären.

Mit dem Zusammenschluss von AT&T und T-Mobile USA entstehe ein „Koloss“ mit rund 130 Millionen Kunden, stellte das einflussreiche Magazin „Forbes“ fest. Und die „New York Times“ verglich die Situation mit dem Markt für Softdrinks. Da gebe es im Wesentlichen nur noch Coca-Cola und Pepsi. „Die anderen Wettbewerber sind eigentlich irrelevant.“ Die Zeitung fürchtet, dass in der Folge die Preise für die Kunden steigen.

Die große Frage ist, ob sich das zuständige US-Justizministerium und der Netzregulierer FCC eine derartige Machtballung gefallen lassen. Die Regierung von Präsident Barack Obama fährt einen härteren Kurs als die Bush-Administration. Beobachter rechnen damit, dass AT&T zumindest weitreichende Zugeständnisse machen muss: Im Klartext bedeutet dies, Kunden abzugeben. So war es bereits, als Verizon den kleineren Mobilfunker Alltel übernommen hatte.

AT&T versucht, die Tragweite der Übernahme herunterzuspielen. Konzernchef Randall Stephenson und sein Chefjustiziar Wayne Watts werden nicht müde zu betonen, dass in den einzelnen Regionen des riesigen Landes noch jede Menge Konkurrenten säßen. „Es wird auch nach dem Geschäft einen großen Wettbewerb geben“, versicherte Watts in einer eiligst einberufenen Konferenz mit Analysten und Journalisten.

AT&T hofft nun darauf, dass seine Lobbyisten-Heerschar in Washington den Deal durchboxt. „Es ist unwahrscheinlich, dass AT&T ein Geschäft eingehen würde, von dem sie davon ausgehen, dass es scheitert“, kommentierte Analyst Chaplin. Die Frage sei, welche Zugeständnisse der Konzern bereit sei zu machen.

AT&T-Chef Stephenson räumte zwischenzeitlich ein, dass er mit Auflagen rechne. So sei es bislang noch bei jeder Übernahme gewesen, sagte er. Dieses Mal dürfte die Schmerzgrenze, bis zu der Stephenson bereit ist zu gehen, besonders hoch liegen: Denn wenn die Übernahme von T-Mobile USA floppt, dann müssen die Amerikaner den Deutschen satte drei Milliarden Dollar als Wiedergutmachung zahlen. Das ist mehr als ein Anreiz.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " AT&T und T-Mobile: US-Justiz will Deal prüfen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%