AT&T und T-Mobile USA
„Fusion hätte tausende Jobs vernichtet“

Sprint tritt nach: Der Zusammenschluss von AT&T und T-Mobile USA hätte tausende Jobs gekostet und Investitionen gesenkt. So jedenfalls eine Studie, die sich mit den Versprechungen von AT&T auseinandergesetzt hat.
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San FranciscoSicher ist sicher. Obwohl das US-Justizministerium bereits eine Klage gegen die 39 Milliarden Dollar schwere Übernahme von T-Mobile USA durch AT&T eingereicht hat, legt der Telekom-Konzern Sprint, AT&T-Konkurrent und voraussichtlich größter Verlierer der hoch umstrittenen Megafusion, noch einmal nach. Wirtschaftsprofessor David Neumark von der Universität von Kalifornien kommt in einer von Sprint finanzierten Studie zu dem Schluss, dass Behauptungen von AT&T-Seite, die florierende Arbeitsmärkte und sprudelnde Investitionen im Falle der Fusion suggerieren, völlig aus der Luft gegriffen seien.

Während AT&T bis zu acht Milliarden Dollar zusätzlicher Investitionen erwartet, sieht Neumark ein Investitionsminus in Milliardenhöhe. Vor allem deshalb, weil AT&T nur seine (angeblichen) eigenen Investitionen berücksichtigt habe und nicht die Auswirkungen auf die gesamte Branche. Schon der Wegfall von potenziellen Investitionen durch T-Mobile USA - im Schnitt 3,4 Milliarden Dollar pro Jahr in den vergangenen drei Jahren - sei nicht mal berücksichtigt worden. „Es zählen bei der Arbeitsplatzschaffung aber nur die Nettoinvestitionen“, so Neumark. Im Laufe der Verhandlungen seit der Ankündigung im März hatte AT&T gegenüber Investoren eingeräumt, dass man schon mit geringeren Investitionen rechne als man sonst hätte vornehmen müssen.

AT&T beruft sich bei seinen Aussagen auf Berechnungen des Economic Policy Institues, das im Zusammenhang mit den Investitionen auch neue Arbeitsplätze erwartet.  Neumark wirft dem EPI nun vor, sich einfach nur auf ungeprüfte Versprechungen von AT&T verlassen zu haben. Lege man die eigenen Berechnungsmethoden des EPI zugrunde, käme es bei einer verringerten Investitionssumme von fünf Milliarden Dollar durch das neue Konglomerat AT&T/T-Mobile bereits zu einem Arbeitsplatzabbau von mindestens 34 000 Arbeitsplätzen. AT&T geht nach eigenen Angaben davon aus, dass es im Zuge der Fusion zu Personalabbau durch  Rationalisierungen kommen könne.

Fast erwartungsgemäß weist AT&T die Ergebnisse der Studie in einer Stellungnahme zurück und liefert auch einen Grund dafür: Schon die Annahme, die Muttergesellschaft Deutsche Telekom werde weiter wie bisher in T-Mobile USA investieren sei „lächerlich“, zitiert der Branchendienst Techcrunch den zweitgrößten US-Telekomkonzern. Telekom Deutschland werde seine Investitionen zurückfahren, stellt AT&T fest.
Das US-Justizministerium hatte in seiner Klageschrift noch T-Mobile-Dokumente von Ende 2010  zitiert, nach denen T-Mobile USA unter neuem Management wachsen solle.  Interne AT&T-Memos von Anfang 2010, die das Justizministerium zitiert, warnen vor allem vor dem erfolgten vollständigen Ausbau des T-Mobile-3G-Netzes auf schnelle HSPA-7.2-Datenübertragungstechnik und der Ankündigung, Teile des Netzes auf das nochmals schnellere HSPA+ aufzurüsten. Diese „Rechts-Links-Kombination“, heißt es im besten Boxer-Slang, „sollte sehr ernst genommen werden.“

In einem letzten Versuch, die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen, hatte AT&T zuletzt versprochen rund 5000 Callcenter-Arbeitsplätze in die USA zurückzuholen, so bald die Übernahme genehmigt sei und zugesagt, keine existierenden Callcenter-Jobs zu streichen.

Die Studie könnte noch zum letzten entscheidenden Detail bei einer endgültigen Absage der Großfusion werden. Laut Sprint wurde sie Ende Mai der amerikanischen Telekom-Aufsichtsbehörde FCC übermittelt. Die hat nach eigenen Angaben die Prüfung der Übernahme noch nicht abgeschlossen.
 

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Ich habe auch noch keine Fusion/Übernahme gesehen bei der am ende nicht am Personal gespart wurde. Es liegt ja auf der Hand, das beim zusammenlegen von 2 Firmen zwangsläufig Personal abgebaut werden muss. Wer kann es sich den leisten angefangen von der IT, über den Techn. Support, Kundenbetreuung bis zum Vertrieb alles doppelt zu behalten nach der übernhame. Über kurz oder lang werden solche Einheiten zusammengefasst und da bleibt das Personal auf der Strecke und da kann ja bekanntlich am schnellsten eigespart weden was sich dann ja auch schnell in den Bilanzen darstellt. Das wird ja an den Unis ja auch so unseren angehenden Managern gelehrt und das schon seit 50 Jahren. Innovation in diesem Mgmt. Bereich ist nicht gewollt. Andere Ideen um Kosten zu sparen gibt es zuhauf, aber das dauert Zeit und kostet ggf. mehr am anfang und das leistet sich kein Vosrtand. Die sind ja meisstens ja auch nur "Angestellte" auf Zeit und wenn sie eine Firma runtergeirtschaftet haben werden sie von der nächsten mit Kusshand aufgenommen da sie ja so toll und innovativ waren davor - siehe Mehdor, der ist jetzt bei Air Berlin und wir dort mit seine geballte Innovationskraft die Fluglinie schon wieder auf Kurs bringen. Dann aber leider nur auf Kosten der Mitarbeiter und der Kunden......

  • Die Amis haben ihre IT-Mittelschicht doch schon in den 90igern nach Indien, Pakistan, Asien outgesourced.
    Es geht hier also nicht um eine Kartell Gefahr sondern um Jobs. Und das in der jetztigen wirtschaftlichen US Situation!
    Na so ein Zufall dass die Fusion "geplatzt" ist.

  • wenn die Amerikaner Angst um die Arbeitsplaetze haben, sollten sie mal in China anklopfen.
    China ist zu stark geworden;...muss man sich also andere Opfer suchen.

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