Auch Apple hat Interesse
AT&T will offenbar Time Warner kaufen

Der US-Telekom-Riese AT&T will laut Insidern Time Warner kaufen. Die 85-Milliarden-Übernahme könnte schon am Montag verkündet werden. Es sei denn, Apple steigt noch als Gegenbieter in den Ring.

New YorkDer US-Telekom-Anbieter AT&T erwägt Insidern zufolge den Kauf des US-Konzerns Time Warner mit dem Pay-TV-Sender HBO, dem Nachrichtenkanal CNN und dem Filmstudio Warner Bros. Die Gespräche seien in einem fortgeschrittenem Stadium, eine Einigung könne bereits am Montag verkündet werden, sagten mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Der Kaufpreis soll demnach bei 85 Milliarden Dollar liegen. Laut Alex Sherman von der Nachrichtenagentur Bloomberg wird der Telekom-Konzern 110 Dollar pro Aktie zahlen, und davon eine Hälfte in bar und die andere in eigenen Aktien.

Doch es könnte einen Gegenbieter in letzter Minute geben. Wie das Wall Street Journal berichtet habe sich der iPhone-Konzern Apple vor mehreren Monaten mit Time Warner über eine Übernahme beraten, sei jedoch zu keinem Ergebnis gekommen. Nun, so das Journal, würde bei Apple in Cupertino die AT&T-Offerte genau beobachtet. Der Grund: schon seit langem wird über einen eigenen TV-Dienst von Apple in Konkurrenz zu den Kabelanbietern spekuliert. Doch alle Pläne seien daran gescheitert, dass die Studio-Bosse ihre Leinwand- und TV-Schätze nicht rausrücken wollten. Sie wissen, was Apple mit dem Musikmarkt gemacht hatte. Time Warner wäre ein echtes Faustpfand und Warner-Pay-Sender HBO hatte auf Apple-TV bereits eine mehrmonatige Präsenz, um auszutesten, ob man den Spielfilmsender auch ohne Kabel direkt über das Internet verkaufen kann.

Der Medien- und Unterhaltungskonzern Time Warner war am Freitag an der Börse rund 65 Milliarden Dollar wert. Die Aktien legten am Freitag zum Handelsschluss rund neun Prozent zu und stiegen nachbörslich weiter fünf Prozent, AT&T gaben dagegen drei Prozent nach.

Denn der Deal könnte zu einer massiven Belastung, wenn nicht sogar zu einem Fiasko werden. Man darf nicht vergessen, dass wir es mit dem Time Warner zu tun haben, das schon einmal in einer gigantischen Fusion mit AOL den größten Medienkonzern der Welt geschaffen hatte - und damit jämmerlich gescheitert ist.

Time-Warner-Chef Jeff Bewkes brachte die Reste von AOL dann an die Börse, Verizon kaufte es dann zum Schnäppchenpreis, Time Warner stieß auch den Magazinverleger Time Inc ab und gliederte die Kabelsparte aus. Offenbar war ihm klar, dass es den Time Warner-Studios und TV-Sendern wenig gebracht hat, dass sie auch die Kabel besitzen. Denn sie müssen an alle verkaufen, um Geld zu verdienen. Wie schwer das ist, zeigt der Kabelgigant Comcast, der die Studios von NBC-Universal geschluckt hat - ohne, dass es dem Unternehmen bislang viel genutzt hat. Im Gegenteil, Comcast leidet weiter stark unter „cordcuttern“, Kunden, die ihre teuren TV-Abos (die kosten schnell mehr als 100, mit allen Sport- und Premiumkanälen sogar bis 200 Dollar pro Monat), kündigen und auf Konkurrenz wie Netflix oder Amazons Prime Video setzen.

Time Warner hatte zuletzt auch ein Mangel an neuen Blockbuster-Filmen zu schaffen gemacht. Vor allem schlechtere Geschäfte der Warner-Bros-Filmstudios drückten den Umsatz im zweiten Quartal um rund fünf Prozent auf knapp sieben Milliarden Dollar. HBO punktete indes weiterhin mit der Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Nach Angaben der Analysten von IHS Markit in London haben alleine Netflix und Amazon 2015 zusammen 7,5 Milliarden Dollar in Eigenproduktionen investiert. Das sei mehr als die Sender CBS, HBO oder Turner. „Das Niveau der Investments der beiden wurde nur von Disney mit 11,48 Milliarden und NBC mit 10,27 Milliarden Dollar überboten“, so IHS-Markit-Analyst Tim Westcott. Und nicht nur das: andere große Anbieter wie wie die chinesischen Internet-Giganten Youku Toudu, iQufi oder Tencent hätten ebenfalls ihre Investitionen in eigene Programme massiv erhört, statt sich unverändert auf Hollywood zu verlassen.

Am Donnerstag hatte bereits die Agentur Bloomberg berichtet, die Führungskräfte von AT&T und Time Warner hätten strategische Optionen erörtert, darunter auch eine Fusion.

2015 hatte Time Warner eine 80 Milliarden Dollar schwere Offerte von Twenty-First Century Fox zurückgewiesen. Twenty-First will nach Angaben von Insidern vom Freitag aber nicht erneut bieten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
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