Auch Mitarbeiter sehen Interessenkonflikte durch stärkeren Einfluss von Gruner + Jahr
Augsteins Erben fürchten um Unabhängigkeit des „Spiegels“

Die beiden Erben des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein, Jakob und Franziska Augstein, ringen weiter um die verlegerische Unabhängigkeit und ihren gesellschaftsrechtlichen Einfluss beim Hamburger Spiegel-Verlag. Auslöser für ihren Kampf ist das Vermächtnis ihres im November 2002 verstorbenen Vaters.

HAMBURG. Sein Testament sieht vor, dass Augsteins Nachfahren 25 Prozent am Spiegel-Verlag bekommen. Doch dabei gibt es einen Haken: Der Spiegel-Gründer verfügte zugleich, dass die beiden Spiegel-Mitgesellschafter, die Mitarbeiter KG und der Hamburger Großverlag Gruner + Jahr (G + J), das Recht haben, den Erben je ein halbes Prozent abzukaufen. Davon machten sie inzwischen Gebrauch.

Wenn die Kartellbehörden keine Einwände erheben sollen die Mitarbeiter KG also 50,5 Prozent und G+J 25,5 Prozent am Spiegel halten. Damit würden aber die Augstein-Erben ihren Einfluss als Anteilseigner verlieren. Denn der Gesellschaftervertrag sieht vor, dass beim Spiegel alle Entscheidungen mit einer Mehrheit von 76 Prozent gefällt werden müssen. Gruner+Jahr und die Mitarbeiter KG könnten somit künftig im Alleingang agieren. Sie bräuchten die Nachfahren nicht mehr einzubeziehen.

Damit wäre aber nach Ansicht von Jakob Augstein die redaktionelle Unabhängigkeit des Nachrichtenmagazins gefährdet, weil Gruner + Jahr mit seinem Flaggschiff „Stern“ in direkter Konkurrenz zu der Wochenzeitschrift steht. „Ich bin der Auffassung, dass es weder für den Spiegel noch für die publizistische Vielfalt im Land gut wäre, wenn ein und derselbe Verlag die inhaltliche Kontrolle über die beiden großen deutschen politischen Magazine behielte“, erklärt Jakob Augstein.

Sollten deshalb die Augstein-Erben gezwungen werden, ein Prozent ihrer Anteile abzugeben, schädige dies den Wettbewerb: „Gruner + Jahr würde über kurz oder lang versuchen, Spiegel und Stern zu koordinieren“, befürchtet Jakob Augstein. Ähnlich sieht dies die Mitarbeiter-KG: „Wir sehen den Interessenkonflikt, der hier auf den Mitgesellschafter Gruner + Jahr zukommt, wenn er einerseits seinen Einfluss auf den Spiegel ausweitet und andererseits eben ein Konkurrent ist“, sagt Thomas Darnstädt, Geschäftsführer der Mitarbeiter KG.

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