Audiobook-Geschäft
Stimmen im Kopf

Bisher war das Audiobook-Geschäft eine einzige Erfolgsgeschichte. Nach fetten Jahren scheint der Boom im Geschäft mit Hörbüchern und Hörspielen nun aber vorbei zu sein. Seit Hörstoff auch bei Discountern zu haben ist, tobt ein Preiskampf. Um zu überleben, denken Verlagsmanager nun an Fusionen.

KÖLN. Sie sind ganz Ohr. Der Motor Ihres Autos schnurrt. Der Regen peitscht gegen die Windschutzscheibe. Das Dunkel verwischt die weißen Streifen am Rande der Autobahn. Sie drehen den CD-Player lauter.

"Steigen Sie vier Stufen höher, und mein Knie ist auf gleicher Höhe wie Ihr Gesicht. Und glauben Sie nicht, ich hätte Hemmungen" - schneidend klingt Karoline Eichhorns Stimme, herrisch, furchtlos. Die Lage scheint bedrohlich: Am Fuß der Treppe der Eindringling und oben im Haus, im Kinderbettchen, liegt das Neugeborene. Eichhorn gestikuliert mit den Händen, sticht mit einem Bleistift Löcher in die Luft. Das verleiht ihrer Stimme noch mehr Nachdruck vor dem Mikrofon hier im Studio.

Christoph Pragua bremst sie: "Ein bisschen viel Dampf". Mehr Zurückhaltung mahnt der Regisseur an: "Damit noch Luft nach oben bleibt."

Luft - auf dem Markt für "Audiobooks", für Hörbücher und Hörspiele, wird sie immer dünner. Nachdem die Branche in den vergangenen Jahren ähnlich boomte wie Chinas Wirtschaft, schrumpfte das Umsatzwachstum im Jahr 2007 auf europäisches Maß - es erreichte kaum noch drei Prozent, hat Media Control GfK International im Auftrag des Deutschen Buchhandels ermittelt.

Der Markt für literarischen Ohrenschmaus ist gereift, und das macht ihn für die - meist kleinen - Hörverlage immer schwieriger. Seit Hörstoff auch bei Discountern zu haben ist, tobt ein Preiskampf. Zudem wird im Internet immer fleißiger "getauscht". Anbieter geraten unter Druck. Immer mehr Verlagsmanager erwarten, dass ihre Branche vor den ersten Übernahmen steht.

Wer weiß? Vielleicht werden auf der Leipziger Buchmesse, die heute beginnt, schon erste zarte Bande für künftige Deals geknüpft.

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