Auf dem Heimatmarkt ist nicht mehr viel zu holen: Swisscom ist auf der Suche nach der Story

Auf dem Heimatmarkt ist nicht mehr viel zu holen
Swisscom ist auf der Suche nach der Story

Es wird ernst: Die Schweizer Telefongesellschaft Swisscom ist im Bieterwettstreit um die Cesky Telecom in Prag in die Endrunde gekommen.

Die Schweizer haben dieses Ziel mit minimalem Einsatz erreicht: Ihre Offerte liegt nur knapp über dem Mindestgebot von zwei Mrd. Euro. Die vier Konkurrenten, die es in die zweite Bewerbungsrunde geschafft haben, haben höhere Angebote abgegeben. Das höchste reichte mit knapp 2,4 Mrd. Euro eine tschechischen Investorengruppe ein. Hinzukämen auf jeden Fall geschätzte 1,8 Mrd. Euro für die an der Börse gehandelten Anteile der Minderheitsaktionäre.

Trotz ihres niedrigen Gebots haben die Schweizer nicht das schlechteste Blatt. Sie haben in Runde eins Erfolg mit ihrer Strategie gehabt, im Rennen zu bleiben, aber nicht den Preis nach oben zu treiben. Jetzt werden die Karten neu gemischt. Der Countdown läuft bis zum 29. März.

Bis dahin hat Swisscom Zeit nachzudenken, wie weit sie den Preis erhöht. Swisscom-Chef Jens Alder wird sich dabei von mehreren Überlegungen leiten lassen. Ein Blick in die Firmenkasse genügt, um Klarheit zu gewinnen, dass es an Geld nicht mangelt. Swisscom ist schuldenfrei und erwirtschaftet jährlich rund zwei Mrd. Euro an überschüssigen Mitteln, die auch in diesem Jahr wieder an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Alder hat wiederholt festgestellt, dass er Übernahmen von bis zu 6,5 Mrd. Euro ohne weiteres bezahlen könnte. Im Fall Cesky Telecom wären die Zinsen für Kredite, die er eventuell zum Kauf bräuchte, niedriger als das, was die tschechische Telekom verdient. So gesehen lohnt sich der Kauf.

Doch während er sich um Geld keine Sorgen machen muss, brennt Alder ein anderes Problem unter den Nägeln: Der Grund für den Expansionsdrang der Schweizer liegt darin, dass auf ihrem engen Heimatmarkt zwischen Genf und St. Gallen nicht mehr viel zu holen ist. Aufträge, die die Swisscom in der IT-Unterstützung anderer Firmen gewinnt, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Kerngeschäft das Wachstum bescheiden bleibt und die Gebühren bröckeln. Das ist keine tolle Story für Anleger. Alder bleibt deswegen nichts anderes übrig, als durch Dividenden und Aktienrückkäufe den Kurs möglichst hoch zu halten – es sei denn, ihm gelingt der Sprung über die Grenzen.

Deswegen hat er sich im vergangenen Jahr so eifrig um die Telekom Austria bemüht, und deswegen ist er jetzt in Tschechien wieder am Ball. Dort hatte er sich erst vor knapp anderthalb Jahren verabschiedet: Bis zum November 2003 war Swisscom im Konsortium mit der holländischen KPN mit 27 Prozent an der Cesky Telecom beteiligt.

Dass er damals ausstieg, begründet Alder heute mit den mangelnden Chancen von einst, jemals Mehrheitsaktionär zu werden. Die damals gehegte Absicht, bei den Österreichern zum Zuge zu kommen, dürfte ihm den Ausstieg erleichtert haben. Daraus wurde nichts. Wenn es jetzt mit der Braut Cesky auch nicht klappt, hat Swisscom ein weiteres Problem. Das heißt dann Jens Alder.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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