Auf der Suche nach Übernahmemöglichkeiten
Indische IT-Dienstleister drängen nach Europa

Weil das Amerika-Geschäft schwieriger wird, wenden sich indische IT-Dienstleister verstärkt nach Europa. Derzeit sind IT-Firmen wie Infosys oder TCS auf der Suche nach Übernahmemöglichkeiten – auch in Deutschland.

DELHI. „Auch in Deutschland sehen wir uns um“, sagt Konzernchef Kris Gopalakrishnan, „das ist ein zentraler Wachstumsmarkt für uns.“ Indiens zweitgrößter IT-Dienstleister ist vor allem an Systemhäusern interessiert, könnte aber auch die IT-Sparte einer Großfirma übernehmen.

In die gleiche Richtung zielt Indiens Marktführer TCS: „Wir wollen in Deutschland zukaufen“, erklärt Zentraleuropa-Chef Padmanabhan Ananthanarayan. Die Größe des dortigen IT-Markts steht für ihn in keinem Verhältnis zum bislang realisierten Outsourcing-Geschäft. Aber er und der Infosys -Chef sind sich einig: Kostendruck und Fachkräftemangel seien dabei, dies zu ändern. Das Deutschlandgeschäft von TCS wächst eigenen Angaben zufolge um 50 bis 60 Prozent pro Jahr. Weltweit steigert das Unternehmen seinen Umsatz regelmäßig um rund 40 Prozent jährlich.

„Weil das Amerika-Geschäft für sie schwieriger wird, wenden sich Indiens IT-Firmen viel stärker Deutschland zu“, erkennt Ulrich Bäumer. Der IT-Anwalt und Offshoring-Experte bei der international tätigen Kanzlei Osborne Clark räumt ihnen gute Erfolgschancen ein. Seiner Beobachtung nach kämpfen sich die Inder in der Gunst deutscher Kunden schnell hoch und gewinnen immer größere und komplexere Projekte. Bäumer rechnet mit einer wachsenden Zahl von Übernahmen. Auch größere deutsche Firmen seien inzwischen in M&A-Gesprächen mit Indern, weiß er.

Infosys sitzt auf 1,8 Mrd. Dollar Barreserven. Das macht große Deals finanzierbar. Diesen Sommer kursierten sogar Gerüchte, die Inder seien an Cap Gemini interessiert. Reuters meldete kürzlich, nun plane der Lokalrivale Wipro die Übernahme von Europas größtem IT-Dienstleister. Die Fusion einer etablierten westlichen Beratungsfirma mit einem indischen Offshoring-Spezialisten würde die Branche revolutionieren. Doch Gopalakrishnan hält seine Karten bedeckt: „So ein Deal ist möglich“, betont er, und irgendwann werde eine indische IT-Firma im Westen groß zuschlagen. „Aber für uns bleiben kleine Deals wahrscheinlicher“, dämpft er Erwartungen. Denn mit der Größe einer Akquisition wüchsen die Integrationsrisiken.

Bislang ging Infosys mit seinem Kapital vorsichtig um: Im Juli verkündete die Firma erst ihre zweite Übernahme: Für 28 Mill. Dollar nahm sie Philips drei konzerninterne Outsourcing-Zentren in Polen, Thailand und Indien ab. Wipro hingegen gab in den letzten zwei Jahren 1,2 Mrd. Dollar für zehn Zukäufe aus und übernahm zuletzt den amerikanischen Datenzentren-Spezialisten Infocrossing für 400 Mill. Dollar.

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