Aufbau einer Mediengruppe
BBC Worldwide kauft Kult-Reiseführer Lonely Planet

Der Streit um die Befugnisse öffentlich-rechtlicher Sender ist nicht nur auf Deutschland beschränkt: In Großbritannien stieß die Übernahme des Reiseführers „Lonely Planet“ durch die BBC-Tochter „BBC Worldwide“ auf Kritik. Der Sender expandiert so immer weiter – auch ins Ausland.

dih LONDON. Der britische Fernsehsender BBC hat mit der Übernahme des australischen Reisebuchverlags Lonely Planet seine kommerziellen Ambitionen unterstrichen. Die internationale Tochter des öffentlich-rechtlichen Senders, BBC Worldwide, hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters mehr als 100 Mill. Euro für eine Dreiviertelmehrheit an der Firma gezahlt. Ein Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. „Der Kauf beweist die Fähigkeit von BBC Worldwide, eine große internationale Mediengruppe zu werden“, sagte der Chairman des kommerziellen Arms der BBC, Etienne de Villiers.

BBC Worldwide wurde gegründet, um BBC-Programme in alle Welt zu vermarkten. Doch der Ableger entwickelt sich immer stärker über das Kerngeschäft hinaus. Er ist dazu übergegangen, im Ausland eigene Formate zu produzieren. Auch im Internet-Geschäft will er ein global bedeutender Spieler werden. Mit Lonely Planet ergänzt er das weltweit populäre Angebot der BBC an Reise- und Natur-Dokumentationen wie „Planet Earth“. BBC Worldwide arbeitet wie ein normales Unternehmen, führt jedoch Gewinne an die öffentlich-rechtliche Mutter BBC ab, die sie zur Finanzierung ihrer Programme heranzieht. Im Geschäftsjahr zum 31. März erwirtschaftete das Unternehmen bei 810 Mill. Pfund (1,2 Mrd. Euro) Umsatz einen Gewinn von 111 Mill. Pfund.

Die zunehmenden kommerziellen Aktivitäten der BBC erregen jedoch den Argwohn privater Fernsehsender, die unfaire Konkurrenz wittern.

Lonely Planet ist eine Kultmarke unter Rucksack-Reisenden. Tony und Maureen Wheeler haben die Firma 1972 gegründet, nachdem sie in ihren Flitterwochen auf eigene Faust mit einem klapprigen Auto monatelang von London quer durch Asien bis nach Australien gereist waren. Sie schrieben ihre Erlebnisse, verbunden mit praktischen Tipps, in einem Reiseführer auf und begannen damit eine erfolgreiche Serie von bis heute 500 Büchern. Heute wendet sich der Verlag auch immer stärker an wohlhabendere Touristen, betreibt eine Internet-Seite und produziert Fernsehfilme. 500 Mitarbeiter sitzen in Melbourne, London und im kalifornischen Oakland. Hinzu kommen 300 freie Reiseautoren.

Die Wheelers bleiben nach dem Verkauf an BBC Worldwide mit einem Viertel am Verlag beteiligt. Sie wollen weiterhin im Vorstand des Unternehmens mitarbeiten. Aus ihrer Sicht sichert die Übernahme durch die BBC das langfristige Überleben des Verlages. Sie erlaube es, das Unternehmen auf ein neues Niveau zu heben. Die Firmenzentrale werde in Melbourne bleiben.

„Die Übernahme passt gut in unsere Strategie, einer der führenden Inhalteanbieter der Welt zu werden und unsere Präsenz in Australien und Amerika zu stärken“, kommentierte der Vorstandschef von BBC Worldwide, John Smith. Er kündigte in einem Gespräch mit dem „Guardian“ an, eine zweistellige Millionensumme in den Ausbau des Lonely-Planet-Angebots zu stecken. Smith will den Inhalt aller 500 Lonely-Planet-Führer komplett für Online-Recherchen verfügbar machen. Bisher hat der Verlag nur Auszüge aus seinen Reiseführern im Internet veröffentlicht, um das Print-Geschäft nicht zu gefährden. BBC Worldwide will außerdem ein Lonely-Planet-Magazin herausgeben und die Filmproduktion ausweiten. Der Verlag biete BBC Worldwide Zugang zu Inhalten, die sich weltweit auf verschiedenen Kanälen vermarkten ließen, erklärte Smith.

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