Aufklärung des Patienten
Verleger wollen für Medikamente werben

Die deutschen Zeitschriftenverlage verlangen von der Europäischen Union (EU) eine Aufhebung des Werbeverbots für rezeptpflichtige Medikamente. Die Herausgeber warnen zudem vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und kritisieren Entmündigung des Bürgers

MÜNCHEN. „Das Heilmittelwerbegesetz, das Werbung für rezeptpflichtige Medikamente verbietet, entspricht nicht mehr der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Der mündige Bürger der Wissensgesellschaft will sich informieren und nicht bevormunden lassen“, sagte Hubert Burda, Präsident des Verbands der Deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ), dem Handelsblatt. Derzeit dürfen Pharmaunternehmen nur bei Apotheken, Krankenhäusern und Ärzten für ihre verschreibungspflichtigen Produkte werben.

Der Unterstützung des Bundesregierung können sich die Verleger offenbar sicher sein. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte erst in der letzten Woche im Gespräch mit Burda Wohlwollen signalisiert. „Der Bundeskanzler weiß, dass Qualitätsmedien Geld kosten. Er weiß auch, dass Werbeverbote die Medien in Europa nicht nach vorne bringen“, sagt der VDZ-Präsident. Schließlich würden Werbeverbote Arbeitsplätze in Deutschland vernichten.

Beim Vorstoß der Zeitschriftenverleger in Richtung EU-Kommission geht es um viel Geld. Sollte das Werbeverbot für rezeptpflichtige Arzneien aufgehoben werden, dürfen sich die von der schwachen Werbekonjunktur in Deutschland gebeutelten Printkonzerne auf zusätzliche Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe freuen: Kenner schätzen, dass die Arzneimittelhersteller jährlich mindestens 300 Mill. Euro zusätzlich für Reklame in Zeitschriften und Zeitungen ausgeben würden. Manche Marktteilnehmer sprechen sogar von 900 Mill. Euro.

Vorbild einer Liberalisierung sind die USA. Dort ist die Reklame für verschreibungspflichtige Arzneien seit 1997 unter Auflagen erlaubt. Allerdings müssen die Anzeigen den Leser informieren und ausführlich die Nebenwirkungen des Medikaments aufzeigen. Für die US-Verlage hat sich diese zusätzliche Werbung in den letzten Jahren zu einem wirtschaftlich wichtigen Standbein entwickelt.

Vor allem Verbraucherverbände haben in der Vergangenheit Versuche, das Werbeverbot für Arzneien zu lockern, kritisiert. Der Bundesverband der Verbraucherschutzzentralen warnt unter Hinweis auf negative Erfahrungen in den USA davor, dass eine Liberalisierung zu einer Kostenexplosion bei verschreibungspflichtigen Arzneien führen würde. Hier ist Burda gegenteiliger Ansicht: Die Aufhebung des Arznei-Werbeverbots in den USA hätte zu besser informierten Patienten geführt und damit die Kosten im Gesundheitssystem senkt.

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