Aufsichtsrat
Machtkampf erschüttert Intershop

US-Großaktionär GSI beansprucht entgegen dem Governance-Kodex alle Aufsichtsratsposten des ostdeutschen Software-Herstellers Intershop für sich. Die Kleinaktionäre schäumen, der Vorstand ist gespalten. Mitte Dezember kommt es in Jena zum Showdown.
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DÜSSELDORF. Einst war die Firma der ostdeutsche Superstar am Neuen Markt, dann kam der große Absturz: Intershop hat schon einige Krisen hinter sich. Heute stimmen zwar die Zahlen des Herstellers von Software für den Onlinehandel wieder: 11,62 Mio. Euro Umsatz und 600 000 Euro Gewinn machte Intershop im dritten Quartal. Doch Ruhe ist in das Unternehmen nicht eingekehrt.

Ein Kampf um die Macht erschüttert derzeit den Vorstand, bringt Aufsichtsräte zum Rücktritt und Kleinaktionäre zum Schäumen. Kern des Streits ist Rolle und Gebaren des Großaktionärs GSI. Das US-Unternehmen ist ebenfalls im Geschäft mit Software für E-Commerce tätig. Ehemalige und heutige Manager von Intershop werfen GSI vor, die alleinige Herrschaft bei Intershop übernehmen zu wollen - obwohl die Amerikaner nur Minderheitsaktionär sind.

Im Frühjahr noch sah es rosig aus: Intershop präsentiert GSI als Partner. Die Amerikaner wollen die Software aus Jena schlagkräftig vertreiben, als Teil eines Komplettpakets. Mit zunächst zehn Prozent steigt GSI bei Intershop ein. Die Amerikaner bauen ihre Macht schnell aus: Ihr Anteil steigt auf 27 Prozent, die restlichen Anteile sind auf Tausende Kleinaktionäre verteilt.

Im Sommer dann erreichen den damaligen Aufsichtsratschef Bernhard Wöbker zwei Anrufe aus den USA. Am Apparat ist GSI-Chef Mike Rubin. Er hat, so berichtet Wöbker später, mehrere Forderungen: Wöbker soll Intershop-Sanierer Peter Mark Droste zum Rücktritt aus dem Vorstand bewegen. Außerdem soll er vier Mio. Euro investieren, um 30 neue Entwickler einzustellen.

Rubin soll in diesen Gesprächen mehrfach gesagt haben, er wolle "volle Kontrolle" über Intershop. Außerdem wolle er Wöbker und den zweiten unabhängigen Aufsichtsratsvertreter loswerden - notfalls per außerordentlicher Hauptversammlung. "Es hat sich herausgestellt, dass GSI eine eigene, verborgene Agenda verfolgt", sagt Wöbker heute. Ein Vertreter von GSI in Deutschland will den Gesprächsinhalt nicht bestätigen, bestreitet ihn aber auch nicht.

Normalerweise übernimmt GSI gern Firmen komplett. Mit einer Mrd. Dollar Umsatz 2009 ist der E-Commerce-Spezialist dafür groß genug. Intershop bietet Software, die GSI für seine Kunden gut gebrauchen kann. Doch die Jenaer Firma hat so viele kleine Aktionäre, dass ein Übernahmeversuch aussichtslos ist.

Nach den Anrufen aus den USA treten Wöbker und sein Aufsichtsratskollege Peter Georg Baron von der Howen Ende August zurück. Sie wollen die teure außerordentliche Hauptversammlung vermeiden.

Danach wird Machtkampf um Intershop richtig heiß: GSI schlägt seinen Beteiligungs-Direktor sowie seinen Personalchef als neue Übergangs-Aufsichtsräte vor. Zusammen mit dem dritten, amtierenden Aufsichtsrat wäre damit der gesamte dreiköpfige Aufsichtsrat mit GSI-Vertretern besetzt- vom größten Aktionär, wichtigsten Vertriebspartner und Großkunden. GSI schreibt jedoch dem zuständigen Gericht, das über den Übergangs-Rat entscheidet: Seine Kandidaten seien unabhängig.

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  • Weiere informationen zu der hier genannten initiative von intershop-Aktionären gibt es unter www.hv-initiative.de

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