Aufsichtsrat segnete T-Service ab
Telekom darf im großen Stil ausgliedern

Der neue Telekom-Chef René Obermann hat vom Aufsichtsrat grünes Licht für seine Strategie erhalten. Das oberste Konzerngremium stimmte obendrein der Ausgliederung von zehntausenden Mitarbeitern in eine konzerneigene neue Service-Einheit zu.

HB BONN. Der Aufsichtsrat segnete auf der Sitzung am Mittwoch die Gründung der neuen Service-Einheit T-Service ab, in die zehntausende Mitarbeiter transferiert werden sollen. Die Entscheidung für T-Service sei gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat gefallen, sagte ein Telekom-Sprecher in Bonn. In die neue Einheit sollen nach Angaben aus dem Konzernumfeld rund 50 000 Mitarbeiter der Festnetzsparte T-Com eingebracht werden. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Pläne erneut massiv und drohte mit Streik.

Die Telekom will nun rasch Verhandlungen mit Verdi über die Gründung von T-Service aufnehmen. „Wenn der Aufsichtsrat zustimmt, dann werden wir uns schnell mit Verdi in Verbindung setzen“, hatte der Telekom-Personalbeauftragte Dietmar Welslau zuvor gesagt. Spekulationen über einen Verkauf von Teilen des neuen Bereichs wies er zurück: „Wir wollen T-Service im Konzern behalten.“ Der neue Bereich, in dem die Call-Center und der Kundenservice gebündelt werden, soll nach Plänen von Obermann zum Juli seinen Dienst aufnehmen und das Ergebnis in diesem Jahr bereits positiv beeinflussen.

13 000 Mitarbeiter haben gegen Umbau protestiert

Vor Beginn der Aufsichtsratssitzung hatten 13 000 Mitarbeiter vor der Bonner Zentrale gegen den geplanten Umbau des Konzerns protestiert. Zu der Kundgebung, zu der Demonstranten aus dem gesamten Bundesgebiet gekommen waren, hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen. Auf Plakaten hieß es unter anderem, „gegen Konzernzerschlagung und Lohnkürzung“ oder „T-Service: Kein Anschluss mehr mit dieser Nummer“. Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder kritisierte die geplante Auslagerung. „Diese sinnlose Umstrukturierung ist mit uns nicht zu machen“, sagte Schröder, der auch im Aufsichtsrat der Telekom sitzt. Verdi befürchtet drastische Lohnkürzungen und den Verkauf von Teilen der neuen Sparte. Verdi- Chef Frank Bsirske sprach von drohenden „Armutslöhnen“.

Mit T-Service will Obermann die Kosten senken und die Servicequalität verbessern. Er verspricht sich davon einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz, die der Telekom im vergangenen Jahr im Festnetzgeschäft über zwei Mill. Kunden abnahm.

Der Aufsichtsrat sollte nach Angaben aus Konzernkreisen auch der Umbenennung der Festnetzsparte T-Com in T-Home zustimmen. Die Telekom will zudem künftig offensiver im Ausland nach Akquisitionsmöglichkeiten Ausschau halten. Obermann will seine neue Strategie auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Bonn vorstellen. Für das vergangenen Jahr rechnen Analysten mit einem deutlich Ergebnisrückgang, der vor allem mit dem harten Wettbewerbsumfeld auf dem Heimatmarkt zusammenhängt.

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