Aufsichtsrat vor Wiederwahl
HP und der Traum von der Normalität

Die turbulenten Zeiten sind vorbei – das jedenfalls soll den Aktionären auf der Hauptversammlung von HP vermittelt werden. Alle Aufsichtsratsmitglieder werden zur Wiederwahl aufgestellt. Egal, ob umstritten oder nicht.
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San FranciscoHP wird nach Informationen von Bloomberg auf der Aktionärsversammlung am 19. März alle Aufsichtsratsmitglieder zur Wiederwahl aufstellen. Damit strebe das Unternehmen nach Jahren von Turbulenzen in Vorstand und Board Kontinuität an, heißt es. Sind die Informationen korrekt, dann werden auch der Aktionärsaktivist Ralph Withworth als Vorsitzender und der umstrittene frühere Vorsitzende des Aufsichtsgremiums, Ray Lane, erneut aufgestellt. Hewlett Packard wollte sich laut Bloomberg nicht zu den Informationen äußern. Im vergangenen Jahr wurde noch ein Viertel der Boardmitglieder ausgetauscht.

Vorstandschefin Meg Whitman steckt derzeit mitten in einer Restrukturierung des Unternehmens aus dem kalifornischen Palo Alto, das seit Jahren rückläufige Gewinne und Umsätze ausweist. Whitman folgte auf den Deutschen Leo Apotheker. Der frühere SAP-Chef musste nach einer Reihe umstrittener Entscheidungen bereits nach wenig mehr als einem Jahr den Chefsessel räumen. Seine Akquisition der Softwarefirma Autonomy entwickelte sich zu einem Desaster mit Abschreibungen in Milliardenhöhe. Davor musste CEO Mark Hurd wegen einer internen Affäre zurücktreten.

Ralph Withworth ist einer von wenigen Aktionärsaktivisten an der Spitze eines Aufsichtsrats in den USA. Er kam in das Board Ende 2011, und löste im April 2012 Ray Lane ab. „Das ist ungewöhnlich“, erklärte Charles Elson, vom John L. Weinberg Center for Corporate Governance gegenüber Bloomberg, „Aber Withworth ist auch eine ungewöhnliche Persönlichkeit.“ Er genieße das Vertrauen von Aktionären und Vorstand.

Die frühere eBay-Chefin Meg Whitman kam 2011 zu HP und versprach, das Unternehmen bis 2016 aus einer Abwärtsspirale bei Umsätzen und Gewinnen wieder auf Wachstumskurs zu führen. Im vergangenen Jahr musste sie allerdings einräumen, dass dieser Plan so nicht zu halten sei. Sie bat die Aktionäre um mehr Zeit und Geduld. Da sie durch striktes Kostenmanagement und Schuldenabbau die finanzielle Basis stabilisieren konnte, scheint sie das Vertrauen der Wall Street weiter zu genießen. Im vergangenen Jahr kletterte die Aktie, nach massiven Kursverlusten, zuvor um fast einhundert Prozent.

HP hat große Probleme im schrumpfenden Markt für Windows-PC und keine nennenswerten Marktanteile in boomenden Bereichen wie Tablets oder Smartphones. Der Versuch mit einem eigenen Betriebssystem für Smartphones und Tablets den Markt aufzurollen war kläglich gescheitert. Die webOS genannte Software, zusammen mit dem Smartphone-Pionier Palm für über eine Milliarde Dollar übernommen, wurde an dem koreanischen Konzern LG verkauft, der auf der diesjährigen Elektronikmesse CES bereits TV-Geräte mit webOS vorgestellt hat.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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