Aufstieg und Fall von Sony
Blick in den Abgrund

Jahrelang waren Produkte von Sony Kult. Doch inzwischen steckt das Unternehmen in einer Krise, aus der es nur langsam wieder herauskommt. Was hat zu dem Absturz geführt? Eine Spurensuche.

TOKIO. Es ist Mitternacht, als in dem neuen Gebäude in Tokios edlem Geschäftsviertel Ginza plötzlich die Lichter angehen: Raum für Raum, Stockwerk für Stockwerk leuchtet das ungewöhnliche Hochhaus mit seinen schräg ineinander laufenden Ebenen in die Nacht hinein. Mit dieser kleinen Showeinlage feiern Masaru Ibuka und Akio Morita die Einweihung ihres neuen Repräsentationsgebäudes und das 20-jährige Bestehen ihres Unternehmens. Sie wollen der Welt zeigen: Wir haben es geschafft. Wir haben aus einer kleinen Tüftlerbude einen erfolgreichen Elektronikkonzern aufgebaut. Der Name des Unternehmens: Sony.

Für die Gründer markiert dieser Tag im April 1966 den Höhepunkt ihrer Karriere und der Firmengeschichte. Weitere werden folgen. Denn Sony entwickelt sich zu einer Kultmarke. Wer etwas auf sich hält, kauft in den 70er-Jahren die Hi-Fi-Anlage von Sony, in den 80er-Jahren trägt jeder Jogger einen Walkman. Später wünschen sich Kinder eine Sony-Playstation zu Weihnachten und Eltern einen Camcorder von Sony. Und heute?

Der Konzern ist in Bedrängnis geraten: Pannen in der Produktion, Rückrufaktionen, niedrige Margen im Kerngeschäft – der Elektronikgigant ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Daran hat auch Howard Stringer kaum etwas geändert, der seit fast zwei Jahren an der Spitze steht und den Konzern radikal umbauen soll. Und daran wird auch der morgige Freitag wohl nichts ändern, wenn das Unternehmen mit großem Tamtam die neue Spielekonsole Playstation 3 in Europa einführt.

Es ist zwar ein Produkt, das nach Ansicht von Analysten in die Kategorie „innovativ“ gehört. Doch für Sony ist es ein Verlustbringer und ohnehin mit einem Debakel verbunden. Denn eigentlich sollte die Playstation schon lange auf dem Markt sein.

Wann in seiner 60-jährigen Geschichte ist Sony in die Sackgasse geraten? Wann sind die Worte des Gründers Ibukas in Vergessenheit geraten? Der Mann hatte gemahnt: „Wir müssen Probleme, die große Unternehmen befallen, vermeiden.“

Im kriegszerstörten Tokio startete Ibuka 1945 im Alter von 37 Jahren ein kleines Unternehmen, das sich mit der Reparatur von Kurzwellenempfängern über Wasser hielt. Im Krieg hatte Ibuka den jüngeren Leutnant und Physiker Akio Morita kennen gelernt und ihn zur Mitarbeit überredet. Gemeinsam gründen sie ein neues Unternehmen: „Totsuko“, das sie später aber „Sony“ nennen, weil es sich leichter aussprechen lässt.

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