Aufwertung im Vodafone-Konzern
Arcor verdient erstes Geld

Zum ersten Mal hat Deutschlands zweitgrößter Festnetzanbieter Arcor schwarze Zahlen in einem Geschäftsjahr geschrieben. Dafür sorgte vor allem der Boom bei schnellen Internet-Anschlüssen. Der Aufwärtstrend dürfte anhalten, hat der Mutterkonzern Vodafone doch einiges mit seiner Tochter vor.

HB FRANKFURT. Wie Arcor am Mittwoch in Frankfurt mitteilte, verbuchte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2005/2006, das Ende März endete, einen Konzerngewinn von 54 Mill. Euro nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 13 Mill. Euro angefallen war. Der Umsatz stieg wie bereits bei der Bilanzvorlage der Mutter am Dienstag verkündet um 21 Prozent auf gut 1,9 Mrd. Euro. Der bereinigte operative Gewinn legte von 93 auf 203 Mill. Euro zu.

Wesentlicher Motor war das Geschäft mit schnellen Internet-Anschlüssen (DSL), das Arcor in einer Vertriebspartnerschaft mit dem Mutterkonzern zusätzlich ausbauen will. Die Zahl der DSL-Anschlüsse stieg von 510 000 zum Ende des vorigen Geschäftsjahres auf rund 1,3 Millionen. Allein im ersten Quartal 2006 gewann Arcor 223 000 DSL-Kunden. Damit komme Arcor jetzt auf einen Anteil auf dem deutschen DSL-Markt von 11 Prozent. Unternehmenschef Harald Stöber will das Wachstumstempo beibehalten.

Im Vodafone-Konzern bekommt Arcor einen wesentlich höheren Stellenwert. Die Mutter hat sich von ihrer Strategie verabschiedet, nur auf Mobilfunk zu setzen. Jetzt sollen Pakete zusammen mit Festnetz- und Internet-Anschlüssen angeboten werden. Thomas Geitner, Vodafone-Vorstand für „New Business“, kündigte am Dienstag in London an, dass der Konzern in drei bis vier Jahren 10 Prozent seines Umsatzes mit Bündelprodukten erwirtschaften will, bei denen er Kunden zusätzlich zum Mobilfunk auch Breitband-Internetzugänge und Telefonate zu Festnetzpreisen verkauft.

Mit der neuen Strategie will Vodafone der Wachstumsschwäche auf den gesättigten Mobilfunkmärkten in Europa begegnen, wo der Preiskampf immer härter wird. Der weltweit führende Mobilfunkkonzern hat bisher auf die UMTS-Technologie als Wachstumstreiber vertraut. Der multimediale Mobilfunk wächst zwar, aber angesichts vergleichsweise hoher Kosten und langsamer Übertragungsraten kommt er bei weitem nicht an die Erfolge von Breitband-Internetzugängen wie DSL heran.

Darum springt Vodafone jetzt auf einen Trend auf, der die Telekommunikations- und Medienbranche gleichermaßen umwälzt. „Konvergenz“ heißt die Zauberformel: Telefonkonzerne, Fernsehsender und Breitbandanbieter wetteifern darum, wer den Kunden das attraktivste Bündelprodukt aus Telefonie, Fernsehen und Internet – im Branchenjargon „Triple Play“ – anbietet. Kombiniert mit Mobilfunk, wird gar „Quadruple Play“ daraus. Die ehemaligen Telefon-Monopolisten, lange Zeit von den Märkten als behäbige Riesen missachtet, sind mit ihrem breiten Angebot aus Festnetz, Internet und Mobilfunk plötzlich en vogue.

Seite 1:

Arcor verdient erstes Geld

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%