Auktion
Neue Milliardenschlacht um Handy-Frequenzen

Die Mobilfunker rüsten sich für die Auktion begehrter Frequenzen. Vor allem die Kleinen wollen das bisherige Ungleichgewicht auf dem Markt beseitigen. Die Branche will um jeden Preis ein Desaster wie bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen verhindern.

DÜSSELDORF. Das Desaster ist vielen noch gegenwärtig. In einer der teuersten Auktionen Deutschlands gaben sechs Telekomkonzerne vor neun Jahren 50 Mrd. Euro für Lizenzen der Übertragungstechnik UMTS aus. Die Unternehmen übernahmen sich, weil der Markt bei weitem nicht die erhofften Erlöse einbrachte. Ein Bieter (Quam) gab auf, einer (Mobilcom) konnte sich den Netzbau nicht mehr leisten, die übrigen vier knabberten jahrelang an ihren Schulden.

Das soll sich nicht wiederholen. Wenn die Bundesnetzagentur Anfang kommendes Jahres erneut sehr begehrte Mobilfunkfrequenzen versteigert, dürften die Preise deutlich niedriger ausfallen. Experten rechnen mit einem Versteigerungserlös zwischen vier und fünf Mrd. Euro.

Damit wäre aber nur der Betrag kleiner. Die Auktion selbst ist die größte, die je in der Branche stattgefunden hat. Unter den Hammer kommen Kapazitäten, die über Wohl und Wehe der Anbieter in den kommenden zehn bis 20 Jahren bestimmen. Versteigert werden unter anderem die zwei UMTS-Lizenzen der gescheiterten Bieter. Den vier Netzbetreibern geht es aber in erster Linie um etwas anderes: Sie wollen möglichst viel von den begehrten Frequenzen bekommen, die bislang Fernsehsender genutzt haben, aber jetzt nicht mehr benötigen.

Die TV-Frequenzen können lange Strecken per Funk überbrücken. Dadurch sparen sich die Mobilfunker den Bau zahlreicher Antennen. Nur so rechnet sich für sie ein Netzbau auf dem Land. Genau das ist das Ziel der Auktion: Der Mobilfunk soll in vielen Dörfern den Internetanschluss ersetzen. Chefregulierer Matthias Kurth wird die Bieter verpflichten, mit den neuen Frequenzen zuerst die Dörfer zu versorgen. Drei Prozent aller Haushalte haben keinen schnellen Zugang ins Web. Der Bau von Festnetzen lohnt sich dort noch weniger als im Mobilfunk. Die Bundesregierung hat deshalb die TV-Frequenzen für die Mobilfunker losgeeist, um damit das Problem auf dem Land zu lösen. „Der möglichst schnelle und effiziente Ausbau von schnellen Mobilfunkverbindungen für den ländlichen Raum ist ein ganz entscheidendes Anliegen der SPD und der großen Koalition“, sagt Martin Dörmann, Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion für Telekommunikation.

Wie genau die Auktionsregeln aussehen, ist noch offen. Bislang hat die Bundesnetzagentur nur Eckpunkte veröffentlicht, auf die es eine Flut von Stellungnahmen gab. „Die Eckpunkte bergen die große Gefahr, dass sie die Asymmetrie noch verstärken“, kritisiert Markus Haas, Regulierungschef von O2. Der Branchendritte sieht sich wie sein Verfolger E-Plus durch die bislang von ihnen genutzten Frequenzen im Nachteil.

Seite 1:

Neue Milliardenschlacht um Handy-Frequenzen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%