Auktionsportale
Zahnersatz unter dem Hammer

Seit mehreren Jahren gibt es Auktionen für Arztbehandlungen im Internet. Gerade bei hohen Eigenanteilen kann sich das für Patienten lohnen, doch viele Zahnärzte gehen nun auf die Barrikaden. Im Dezember entscheidet der Bundesgerichtshof, ob das Geschäftsmodell rechtmäßig ist.
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FRANKFURT/DÜSSELDORF. Statt 120 nur 50 Euro für die Zahnreinigung, statt 300 nur 160 Euro für Bleaching und eine Implantatbehandlung, die mit 5 600 Euro um die Hälfte billiger ist als das Ursprungsgebot - bei 2te-Zahnarztmeinung.de sowie Arztpreisvergleich.de von Medikompass kommen Arztleistungen unter den Hammer. Überhöhte Materialkosten, unnötige Behandlungsleistungen - die Zahnarztkonkurrenz prüft via Internet Heil- und Kostenpläne genau.

"Gerade bei Zahnbehandlungen, die einen hohen Eigenanteil für den Patienten vorsehen, macht es Sinn, sich einen zweiten Kostenvoranschlag einzuholen", sagt Kai Vogel, Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen.

Am 1. Dezember entscheidet nun der Bundesgerichtshof (BGH), ob das Geschäftmodell der Auktionsportale rechtens ist. Sie werden am Umsatz der Ärzte beteiligt, die den Internet-Nutzern das günstigste individuelle Angebot machen.

Nachdem der Pionier der Branche, Holger Lehmann, Anfang 2005 mit 2te-Zahnarztmeinung an den Start ging, ließ die juristische Gegenwehr aus der Branche nicht lange auf sich warten: Die Vorsitzenden der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns, Janusz Rat und Martin Reißig, klagen auf Unterlassung gegen 2te-Zahnarztmeinung, weil das Angebot ihrer Meinung nach gegen die Berufsordnung der Zahnärzte verstoße. Danach darf ein Zahnarzt seinen Kollegen nicht durch unlautere Handlung aus seiner Behandlungstätigkeit drängen.

Zweimal gaben die Gerichte der Kassenzahnärztlichen Vereinigung recht. Das Oberlandesgericht München (OLG) sah das Internet-Auktionsportal als wettbewerbswidrig an. Eine Revision ließ das OLG damals nicht zu, wogegen wiederum 2te-Zahnarztmeinung mit Erfolg klagte. Am 1. Dezember ist nun in Karlsruhe beim BGH Showdown.

Dabei hatten die Anbieter von Arzt-Auktionsportalen auch ohne das Damokles-Schwert des Verbots in den vergangenen Jahren ordentlich zu kämpfen. Nachdem 2te-Zahnarztmeinung dank heftigem Medienrummel zum Start einen regen Zulauf bekam, folgten zahlreiche Wettbewerber mit Konkurrenzangeboten. Doch Portale wie Opor und Dentcorp sind nicht mehr aktiv.

Zahngebot.de dagegen wurde von Medikompass gekauft, die nun neben 2te-Zahnarztmeinung der zweite Anbieter von Arzt-Auktionsportalen im Internet sind. Allerdings hat Medikompass in den vergangenen Jahren laut Jahresabschluss 2009 Verluste von mehr als 800 000 Euro angehäuft. Mehrheitseigner Holtzbrinck Digital stieg im August aus, weil das Wachstum fehlte, und verkaufte seine Anteile an die Co-Gesellschafter Jürgen Popp und Rony Vogel.

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  • Von sämtlichen Standesorganisationen wird ein funktionnierender Markt über den Preis bei Juristen und Medizinern bisher verhindert. Anbieter aus dem Ausland für definierte Leistungen wie Palst. Chirurgie und Zahnbehandlung werden sich freuen und können sich darauf einstellen respektive entwicklen.

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