Aus Nutzern werden Kunden
Twitter-Gründer Dorsey will von Starbucks lernen

Jahrelang bezeichnete der Kurznachrichtendienst Twitter seine Mitglieder als „Nutzer“, das soll sich nun ändern. Twitter-Gründer Jack Dorsey will, dass sie ab sofort „Kunden“ heißen - und geht mit guten Beispiel voran.
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DüsseldorfIm Jahr 2006 startete Jack Dorsey Twitter. Das soziale Netzwerk ermöglicht seitdem denkbar einfach das Verschicken kurzer Nachrichten mit nicht mehr als 140 Zeichen an die Weltöffentlichkeit. Die Nutzerzahlen kletterten seitdem rasant und überschritten im April dieses Jahres die 500-Millionen-Marke. Mittlerweile hat sich Dorsey aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und kümmert sich hauptberuflich um sein neues Projekt, den mobilen Zahlungsdienstanbieter Square.

Doch jetzt hat sich Dorsey zurückgemeldet. „Es ist Zeit für unsere Branche, das Wort 'Nutzer' zu überdenken“, schreibt der 35-Jährige in einem Weblog-Eintrag. Internet- und Computerfirmen sprächen ständig von „Nutzererfahrung“, „aktiven Nutzern“ und sogar „Nutzernamen“ (englisch: „user...“). Die Begriffe seien zwar eigentlich dazu angelegt, Personen in den Mittelpunkt zu stellen. Die Wortwahl führe jedoch eher „weg von den echten Problemen, die Leute tagtäglich spüren“.

Die Erkenntnis ist nach Dorseys Angaben in ihm gereift, nachdem ein renommierter amerikanischer Manager ihn darauf angesprochen hatte: Howard Schultz. Schultz hat aus Starbucks eine weltweit erfolgreiche Kaffeehauskette gemacht und sich für Dorseys neue Firma begeistert. Im August investierte Starbucks 25 Millionen Dollar in Square und Schultz rückte in den Verwaltungsrat des Unternehmens mit Sitz in San Francisco. „Warum nennt ihr alle eure Kunden 'Nutzer'?“, habe Schultz am Rande einer Verwaltungsratssitzung gefragt, so Dorsey. Darauf sei ihm keine Antwort eingefallen, außer dass das eben schon immer so gewesen sei.

Bei Square sind Nutzer ab sofort ein Auslaufmodell. Die Firma schwenkt auf Dorseys Geheiß auf den Begriff „Kunden“ um. Außerdem wird es die Untergruppen „Käufer“ und „Verkäufer“ geben, um die an einer Square-Transaktion beteiligten Parteien zu beschreiben. Dorsey appelliert an die Technologie-Branche, diesen Schritt nachzuahmen. Denn das Individuum werde eben als „Nutzer“ nicht angemessen umschreiben. Der Begriff sei passiv und abstrakt.

Seine Mitarbeiter bei Square werden genau darauf achten, ob der Chef mit gutem Beispiel vorangeht. Denn für jedes Mal, das er das Wort „Nutzer“ verwendet, dürfen diese ihm 140 Dollar in Rechnung stellen. Die 140 bleibt wohl Dorseys Lieblingszahl, auch nach seiner Abkehr von Twitter.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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