Ausdehnung des Streiks
Verdi ist bei der Telekom zum Äußersten bereit

Zwischen der Deutschen Telekom und Verdi sind die Fronten bei der Ausgliederung von Mitarbeitern in Servicegesellschaften weiter verhärtet. Die Gewerkschaft droht nun mit einer Ausweitung des Streiks.

HB BERLIN. „Wir halten uns offen, noch mal draufzulegen“, sagte Vorstandsmitglied Lothar Schröder am Mittwoch in Berlin. „Notfalls geht der Konflikt weit in das Jahr hinein.“ Die Telekom werde nicht zur Ruhe kommen. Am inzwischen 20. Streiktag legten nach seinen Angaben 15 450 Beschäftigte die Arbeit nieder. Bei bundesweiten Solidaritätsaktionen rechnet Verdi gleichzeitig mit 50 000 Teilnehmern.

Die Anzahl der Streikenden sei noch nicht die Oberkante des Machbaren, sagte Schröder. Weitere Maßnahmen seien möglich, erklärte auch Arbeitskampfleiter Ado Wilhelm. Bis zu 22 000 Beschäftigte könnten in den Ausstand gerufen werden, auch in Bereichen, wo weitere Kunden betroffen wären. Schon jetzt habe die Telekom „erhebliche Probleme“ bei der Auftragsbearbeitung und Rückstände bei der Störungsbeseitigung. In Call Centern liege die Erreichbarkeit bei 15 statt in der Regel 70 Prozent.

Die Gewerkschaft wendet sich gegen die Pläne der Telekom, rund 50 000 Jobs in eigenständige Service-Gesellschaften auszulagern, um so die Kosten zu senken. Die Beschäftigten sollen dort weniger verdienen und länger arbeiten als bisher. Die Telekom begründet die Maßnahmen mit den nach ihren Angaben vergleichsweise höhnen Löhnen, die den Wettbewerb verzerrten. Das Unternehmen war den Mitarbeitern bereits entgegen gekommen, indem es von noch höheren Forderungen nach Lohnverzicht und Mehrarbeit abrückte.

Schröder sah keine Anzeichen dafür, dass die Telekom von ihren Vorstellungen abrückt. Sie halte „starr und stur“ an ihrer Linie fest. Es gebe keine Angebote, die die Gewerkschaft an den Verhandlungstisch zurückbringen würden. Für eine Verständigung brauche es deutlicheres Entgegenkommen. Wenn die Betroffenen gegen ihren Willen überführt würden, sei Verdi darauf vorbereitet, den Konflikt auch in den neuen Gesellschaften weiterzuführen.

Von der Telekom kamen dagegen versöhnliche Töne. Sie hat Verdi neue Verhandlungen angeboten. „Eine Arbeitsgruppe von uns arbeitet derzeit Details für einen Sondertarifvertrag 'Erfolgsbeteiligung' aus“, sagte Personalvorstand Thomas Sattelberger am Mittwoch in Bonn. Grundidee sei, dass die Telekom bei guten Geschäften eine Art Sonderbonus zur Kompensation von Entgeltabsenkungen zahle. In guten Zeiten könnten die Mitarbeiter dabei mehr verdienen als bisher.

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