Auseinandersetzung mit Oracle
Datenklau wird SAP wohl noch viele Jahre beschäftigen

Der Datenklau-Prozess gegen den Softwarekonzern SAP wird wohl in die Verlängerung gehen. Selbst wenn das Unternehmen nicht Berufung einlegen sollte. Denn auch die US-Strafverfolgungsbehörden haben jetzt den Fall entdeckt.
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FRANKURT. Zwar hat sich das SAP-Management noch nicht entschieden, ob es nun Berufung einlegt oder nicht, prüft aber alle Optionen. Unternehmenskreise gehen davon aus, dass alle juristischen Möglichkeiten genutzt werden, um die Strafe abzumildern.

Am Dienstagabend hatte die Jury des Gerichts in Oakland entschieden, dass SAP 1,3 Mrd. Dollar (umgerechnet fast eine Mrd. Euro) an Konkurrent Oracle zahlen muss. SAP selbst hatte bis zu 40 Mio. Dollar erwartet, für Tobias Ortwein vom Marktforschungs- und Beratungsunternehmen PAC eine fatale Fehleinschätzung. "Die ursprünglich von SAP bezifferten 40 Mio. Dollar Schaden waren sicherlich ein wenig naiv seitens SAP - was auch die spätere Erhöhung der Rückstellungen auf 160 Mio. Dollar zeigt", so Ortwein.

US-Justiz und FBI prüfen Fakten

Auch wenn SAP sich gegen die Berufung entscheiden würde, das Thema ist längst nicht vom Tisch - die US-Strafverfolgungsbehörden haben es mittlerweile entdeckt. Unter anderen prüfen das Justizministerium und das FBI die Fakten.

Im Fokus steht die mittlerweile geschlossene SAP-Tochter Tomorrow Now. Sie wurde von den Walldorfern 2005 für zehn Mio. Dollar gekauft - wie sich nun zeigt, ein teures Geschäft. Tomorrow Now hatte für Kunden des Softwareanbieters Peoplesoft die Wartung der IT-Systeme übernommen. Nachdem Peoplesoft von Oracle gekauft worden war, wollte SAP über Tomorrow Now Oracle Kunden abspenstig machen. Der Haken: Für die Wartung hat die frühere SAP-Tochter Daten von Oracle-Rechnern geladen, weit mehr als notwendig - und vor allem mit den Passwörtern der Kunden. Eigentlich hätte SAP dafür Lizenzgebühren zahlen müssen, laut Oracle bis zu vier Mrd. Dollar.

SAP hat das Vergehen mittlerweile eingestanden und sich entschuldigt. Den eigentlichen Schaden hatte das Unternehmen aber weitaus tiefer angesetzt. Dabei hatte SAP wohl noch Glück: Innerhalb der Jury wurden auch Strafzahlungen von bis zu drei Mrd. Dollar diskutiert.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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