Ausgang des Medien-Thrillers ungewiss: Pro Sieben Sat1 bleibt hübsche Braut

Ausgang des Medien-Thrillers ungewiss
Pro Sieben Sat1 bleibt hübsche Braut

Der Medien-Thriller um Deutschlands größten TV- Konzern Pro Sieben Sat 1 hatte schon einige überraschende Wendungen genommen. Das Scheitern der Übernahme durch den Springer-Verlag konnte das Unternehmen denn auch nicht erschüttern.

HB MÜNCHEN. „Wir wundern uns über gar nichts mehr“, hieß es am Mittwoch in Mitarbeiterkreisen. Am wichtigsten sei aber, dass die diskutierte Zerschlagung der Gruppe durch einen Verkauf des Senders Pro Sieben vom Tisch sei. Nach dem Rückzug Springers ist jetzt die Übernahme von Pro Sieben Sat1 durch ausländische Medienriesen oder Finanzinvestoren wahrscheinlich.

Pro Sieben Sat 1 sei für ausländische Interessenten ein hoch attraktives Kaufobjekt, sagte Peter-Thilo Hasler, Medienexperte der Hypo-Vereinsbank. Immerhin gibt es die einmalige Chance, sich auf einen Schlag fast die Hälfte des deutschen Fernsehwerbemarkts zu sichern. Dass ein deutscher Käufer zum Zug kommt, wird in der Branche bezweifelt. Zum einen gibt es nur wenige potenzielle Interessenten.

Außerdem dürfte das Eigentümer-Konsortium um den US-Milliardär Haim Saban jetzt ohnehin Käufer aus dem Ausland bevorzugen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich noch einmal darauf einlässt, sich mit den Kartellbehörden herumzustreiten“, ist Hasler überzeugt.

Als Kaufinteressenten werden nun wieder die üblichen Verdächtigen genannt. Der französische TV-Konzern TF1 bekundete bereits am Mittwoch sein Interesse. Verhandlungen sind hier auf dem kurzen Dienstweg möglich: Saban sitzt bei den Franzosen im Aufsichtsrat. Auch der nach Börsenwert größte Konzern der Welt, General Electric, ist in Lauerstellung. „Klar schauen wir uns das an“, sagte kürzlich Olaf Castritius, Geschäftsführer der GE-Tochter NBC Universal in Deutschland. Auch der TV-Konzern SBS, der vom früheren Kirch-Manager Markus Tellenbach geführt wird, wird in Branchenkreisen als Kandidat genannt. Daneben ist vorstellbar, dass Saban an Finanzinvestoren verkauft. Die Beteiligungsgesellschaft Permira zum Beispiel ist bereits bei SBS und Premiere engagiert.

Pro Sieben Sat1-Besitzer Saban zeigte sich zwar enttäuscht. Er sei aber weiterhin extrem zufrieden mit seinem Investment. „Da bricht jetzt keine Panik aus“, hieß es in Branchenkreisen. Der Unternehmer sondiere bereits die Lage und müsse nicht lange nach Interessenten suchen. „Die kommen jetzt eh auf Saban zu.“

Die vergangenen Jahre waren für die Fernseh-Gruppe nicht einfach. Auf die schwierige Fusion mit Sat1 folgte die Pleite der Kirch-Gruppe. Nach einer langen Zeit der Ungewissheit hieß es zunächst, der Bauer-Verlag übernehme die Mehrheit, ehe die Sender schließlich doch beim schillernden US-Unternehmer Saban landeten.

Bei Pro Sieben Sat 1 gaben sich nach der neuesten Wendung alle Seiten gelassen. Die Konzernführung stellte eine Erklärung von Vorstandschef Guillaume de Posch ins Intranet. „Wir werden die Gruppe aus eigener Kraft weiterentwickeln und uns weiterhin auf unser operatives Geschäft konzentrieren“, hieß es da. Auch die Belegschaft ist zuversichtlich. Der Konzern stehe viel besser da als in den vergangenen Jahren, heißt es in Arbeitnehmerkreisen. Im vergangenen Jahr stieg der Gewinn deutlich. Auch bei den Zuschauern machte Pro Sieben Sat 1 Boden gut. Im Januar schnitten die Sender der Gruppe so gut ab wie seit fünf Jahren nicht mehr. Der Marktanteil in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag bei 30,6 Prozent nach 28,8 Prozent im September. „Die Braut wird immer hübscher“, heißt es in Unternehmenskreisen.

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