Ausgliederung der Chip-Sparte
Philips geht den Siemens-Weg

Der niederländische Elektronikkonzern Philips gliedert sein Chip-Geschäft in eine eigenständige Gesellschaft aus, späterer Verkauf nicht ausgeschlossen. Infineon lässt grüßen.

HB AMSTERDAM. In einer getrennten Rechtsform solle die langfristige Entwicklung des Bereichs gestärkt werden, teilte das niederländische Unternehmen am Donnerstag in Amsterdam mit. Man wolle sich zudem alle strategischen Optionen offenhalten. Der Chef der Halbleitersparte, Frans van Houten, sagte, er prüfe die Möglichkeit einer Fusion oder Übernahme. In den nächsten fünf Jahren sei eine Konsolidierungswelle zu erwarten, sagte van Houten während einer Telefonkonferenz.

Mit einem Jahresumsatz von zuletzt 5,5 Mrd. Euro und einem Betriebsergebnis von 450 Mill. Euro würde das neue Chip-Unternehmen zu den zehn weltweit größten Anbietern der Branche gehören. Bislang prodziert die Sparte vor allem die Chips für Philips-Geräte – vom DVD-Player bis zu medizinischen Diagnosegeräten.

Die Ausgliederung soll nach seinen Angaben in der ersten Hälfte des kommenden Jahres erfolgen; Philips werde zunächst alle Kapitalanteile der neuen Gesellschaft halten, teilte das Unternehmen mit. Das Halbleitergeschäft von Philips war in den letzten Jahren weniger erfolgreich als erhofft. Es wird erwartet, dass die Verselbstständigung einen Verkauf erleichtern kann.

Die Umstände erinnern stark an Siemens und dessen Halbleiter-Sparte. Im Jahr 1999 hatte das deutsche Pendant zur niederländischen Philips sein Chip-Geschäft zuerst ausgegliedert, um die Gesellschaft dann schließlich im Jahr 2000 unter dem Namen Infineon an die Börse zu bringen. Infineon machte 2004/2005 rund 6,8 Mrd. Euro Umsatz und ist damit größer als Philips' Chip-Sparte.

Philips-Chef Gerard Kleisterlee hatte Anfang des Jahres in einem Interview mit der „Financial Times“ angekündigt, dass Philips das Chip-Geschäft abstoßen wolle, falls die Gewinnerwartungen nicht erreicht würden. Der Konzern nannte als Zielvorstellung für das Halbleitergeschäft Gewinne von 5 bis 15 Prozent.

Philips hatte Anfang 2005 ein Umstrukturierungsprogramm begonnen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Sparte sowie die Marktanteile zu steigern. „Wir sind zwar mit den Fortschritten dieses Programms zufrieden. Gleichzeitig sehen wir durch den heute bekannt gegebenen Schritt weitere Möglichkeiten, die Geschäftsbereiche zu stärken und den Interessen der Aktionäre bestmöglich zu dienen“, sagte Kleisterlee am Donnerstag.

Zugleich gab Philips bekannt, dass der Vorstand auf acht Mitglieder erweitert und so der Stellenwert seiner fünf Bereiche Medizinsysteme, Heimelektronik, Verbraucherelektronik, Licht und Halbleiter untermauert werden soll. Der Aufsichtsrat habe beschlossen, dass die bisherigen Chefs der Produktsparten zum 1. April 2006 auch in den Vorstand einziehen sollen. Der Schritt muss noch von der Hauptversammlung am 30. März genehmigt werden.

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