Ausgliederung der Technikzentren
Verdi droht der Telekom mit Streik

Der Deutschen Telekom droht ein neuer Arbeitskampf, weil sie 6 000 Techniker in die erst vor einem Jahr gegründeten Service-Gesellschaften verschieben will. Dort sollen sie länger arbeiten und weniger verdienen. "Wir werden in den kommenden Tagen eine Tarifforderung stellen", sagte Verdi-Bundesvorstand und Telekom-Aufsichtsrat Lothar Schröder dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Damit soll eine Absenkung der Gehälter verhindert werden. "Wenn die Telekom darauf nicht eingeht, nehmen die Dinge denselben Lauf wie im vergangenen Jahr." Damals hatten Tausende Service-Mitarbeiter die Telekom wochenlang bestreikt.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom hatte der geplanten Ausgliederung der Technikzentren mit gut 6 000 Mitarbeitern zugestimmt. Der Entscheidung sei eine kontroverse Diskussion vorangegangen, sagte ein Telekom-Sprecher am Freitag im Anschluss an die Sitzung des Kontrollgremiums. Verdi-Bundesvorstand und Telekom-Aufsichtsratsvize Lothar Schröder kritisierte die Pläne scharf. "Die Arbeitnehmer halten das für einen Skandal. Wir werden in absehbarer Zeit Tarifforderungen für einen Auslagerungsschutz auf den Tisch legen, um die sozialen Folgen dieser Absicht zu minimieren", sagte Schröder.

Die Technikzentren sollen zum 1. Dezember in eine der im Sommer 2007 gegründeten Servicegesellschaften überführt werden. In diesen arbeiten die Beschäftigten länger und erhalten nur durch vorübergehende Ausgleichszahlungen das gleiche Gehalt. Die vor gut einem Jahr erfolgte Auslagerung von rund 50 000 Mitarbeitern war begleitet gewesen vom ersten Streik in der Unternehmensgeschichte.

Die Telekom zieht daneben auch mit ihren Plänen zur Schließung von Call-Centern die Wut der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter auf sich. Verdi will das Konzept zu Fall bringen. Im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung protestierten nach Angaben der Gewerkschaft etwa 1000 Beschäftigte gegen die Pläne. Die Telekom will Call-Center mit insgesamt 8000 Mitarbeitern schließen. Die Standorte sollen auf 24 Städte zusammengezogen werden, aus 39 Städten will sich der Konzern zurückziehen. Die betroffenen Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz wechseln. Die Telekom will den Kundenservice so wirtschaftlicher machen, die Kosten sollen jährlich um 57 Mill. Euro sinken.

Aufsichtsrat und Vorstand befassten sich am Freitag auch mit der Spitzelaffäre. Die Kanzlei Oppenhoff & Partner, die im Mai von Vorstand und Aufsichtsrat mit der Prüfung der Vorwürfe missbräuchlicher Datennutzung beauftragt worden war, unterbreitete Verbesserungsvorschläge. "Zwar genügte die Organisation des Sicherheitsbereiches im untersuchten Zeitraum bis Ende 2006 durchschnittlichen Anforderungen, wies aber deutlich zu wenig Schutzmechanismen gegen regelwidriges Verhalten von Mitarbeitern auf", erläuterte Michael Oppenhoff, Partner der Kanzlei. Auch wenn sich die Organisation unter dem neuen Vorstand verbessert habe, gebe es noch Potenzial.

Der Vorstand werde nun über die Vorschläge beraten, hieß es bei der Telekom. "Der Bericht ist keinesfalls als Abschluss der konzernweiten Bemühungen um Aufarbeitung zu verstehen", kommentierte Telekom-Chef Rene Obermann. "Er wird dabei helfen, zu entscheiden, welche weiteren konkreten Maßnahmen im Unternehmen noch zu ergreifen sind. Wir werden es nicht bei Papier belassen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%