Auslagerung von 50 000 Arbeitsplätzen
Obermann zeigt Verdi die Zähne

Die Fronten im Streit zwischen der Telekom und der Gewerkschaft um die Auslagerung von 50 000 Arbeitsplätzen bleiben unverändert hart. Beide Seiten machten am Freitag deutlich, den Konflikt ausfechten zu wollen. Für die Telekom geht jetzt ein neuer Mann ins Rennen.

HB FRANKFURT/HANNOVER. Telekomchef René Obermann sagte am Freitagabend in Frankfurt: „Wenn wir jetzt den Konflikt vermeiden, werden die Konsequenzen in ein bis zwei Jahren schlimmer sein.“ Er sehe noch eine Chance für eine Einigung bei der nächsten Verhandlungsrunde am Dienstag. „Wir sind hier und da beweglich, vom Grundsatz her müssen wir aber von den Kosten runter.“ Die Servicemitarbeiter würden derzeit zwei oder drei Mal so teuer bezahlt wie bei der Konkurrenz. Diese Lücke müsse um etwa 40 bis 50 Prozent geschlossen werden. Dazu gehöre auch eine Verlängerung der Arbeitszeit. Wenn es keine Kostenstrukturreform gebe, würden die Mitarbeiter in zwei bis drei Jahren ihre Arbeitsplätze sicher verlieren.

Verdi-Vorsitzender Frank Bsirske forderte den Vorstand des Bonner Unternehmens erneut auf, von den Umbau-Plänen abzurücken. „Wenn die Telekom meint, diesen Kurs durchhalten zu wollen, stehen die Zeichen auf Sturm“, sagte er in Hannover. Die vorgesehenen Lohnkürzungen von zwölf Prozent bei einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit bezeichnete er als einen „eklatanten Fall von Verteilungsextremismus“.

Am kommenden Dienstag wollen Verdi und Telekom im rheinland- pfälzischen Maischoß an der Ahr erneut zusammenkommen, um eine Lösung zu finden. Am vergangenen Dienstag waren die Gespräche ausgesetzt worden. Die Große Tarifkommission der Gewerkschaft forderte von der Telekom Gespräche über einen gesonderten Tarifschutz. Gleichzeitig wurde die Verdi-Verhandlungsdelegation ermächtigt, mit den Vorbereitungen zu Urabstimmungen zu beginnen.

Bsirske sagte, es sei eine Schlüsselaufgabe bei der Telekom, die Servicequalität zu verbessern. Aber man könne nicht erwarten, dass Menschen zu Lohnverzicht bereit seien, wenn zugleich den Aktionären jetzt versichert werde, dass das Dividendenniveau 2007 auf Vorjahreshöhe gehalten werde. Nach Berechnungen von Verdi bedeuteten die Vorschläge der Telekom Lohnabsenkungen von bis zu 40 Prozent, wenn die verlängerten Wochenarbeitszeiten und die Ausweitung der variablen Einkommensbestandteile hinzugerechnet würden.

Nach Handelsblatt-Informationen soll der Personalchef des Autozulieferers Continental, Thomas Sattelberger, in gleicher Funktion zur Deutschen Telekom wechseln. Dort schlägt sich bisher Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick mit der Gewerkschaft Verdi herum.

Beide Unternehmen wollten sich zum möglichen Wechsel nicht äußern. Nach dem Weggang von Heinz Klinkhammer zum Jahresanfang ist das Personalressort im Vorstand der Telekom vakant. Es wird derzeit von Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick kommissarisch geleitet.

Sattelberger ist seit knapp vier Jahren beim Reifenhersteller Continental (Hannover) im Vorstand für Personal verantwortlich. Zuvor war der Betriebswirt, der aus Munderkingen in Baden-Württemberg stammt, bei der Lufthansa und bei DaimlerChrysler beschäftigt.

Sattelberger gilt als erfahrener Personalmanager, der keine Konflikte mit den Arbeitnehmervertretern scheut. Im Continental-Konzern wird sein Stil als „hart, aber fair“ beschrieben. Zusammen mit der Chemie-Gewerkschaft IG BCE und dem Betriebsrat erzielte Sattelberger im Winter 2005/2006 im wochenlangen Konflikt um die umstrittene Schließung der Pkw-Reifenproduktion am Stammsitz Hannover einen Kompromiss, mit dem am Ende beide Seiten leben konnten.

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