Auslagerung von Mitarbeitern
Telekom lockt Verdi mit kleinen Extras

Seit fast vier Wochen streiken Telekom-Mitarbeiter, sollen doch 50 000 von ihnen in Servicegesellschaften ausgelagert werden. Mit neuen Vorschlägen zur Lösung des Tarifstreits versucht der Konzern nun, Verdi wieder an den Verhandlungstisch zu kriegen. Er ködert die Gewerkschafter mit kleinen Extras.

lou DÜSSELDORF. Die Telekom präzisierte am Mittwoch die geplante Erfolgsbeteiligung, die der neue Personalvorstand Thomas Sattelberger bereits vor knapp zwei Wochen skizziert hatte. Die Telekom versucht damit, Verdi wieder zurück an den Verhandlungstisch zu holen. Die Gewerkschaft hat mehrere Tausend Telekom-Mitarbeiter vor fast vier Wochen zum Streik aufgerufen, um gegen Umbaupläne des Konzerns zu protestieren. Die Telekom will 50 000 Service-Mitarbeiter in neue Gesellschaften ausgliedern, in denen sie 38 statt 34 Stunden in der Woche arbeiten und zudem auf 9 Prozent ihres Gehaltes verzichten sollen.

Verdi hat mehrfach betont, dass ein Griff in die Portemonnaies der Beschäftigten mit ihr nicht zu machen ist. Zwar hält die Telekom weiterhin an ihrem Plan fest, die Gehälter zu senken. Sie bietet als Ausgleich aber eine Erfolgsbeteiligung an, die sich aus individuellen Zielen, wirtschaftlichen Zielen und der Entwicklung der Kundenzufriedenheit zusammensetzt. Diese Erfolgszahlungen macht die Telekom zum Bestandteil des variablen Gehalts, den sie von derzeit 7 auf künftig 20 Prozent erhöhen will.

„Besonders leistungsstarke Mitarbeiter können an ihr bisheriges Gehalt heran kommen“, sagte Sattelberger. Erreicht die Telekom zudem ihre Gewinnziele und bessert sich die Zufriedenheit der Kunden, können die Beschäftigten künftig mehr Geld bekommen als derzeit. Sattelberger ist bereit, für die Erfolgsbeteiligung „einen hohen zweistelligen Millionenbetrag“ auszugeben. Der Konzern könne dennoch das geplante Sparziel von 500 bis 900 Mill. Euro erreichen – und zwar nicht am unteren Ende, sondern im mittleren Bereich, stellte Sattelberger klar.

Als weiteren Anreiz zur Einwilligung in die Pläne bietet er den Service-Beschäftigten eine systematische Qualifizierung an, die neue Laufbahnen ermöglichen soll. Bisher gab es für Service-Mitarbeiter kaum Aufstiegschancen.

Sattelberger zeigte sich „sehr optimistisch“, dass Verdi auf dieser Basis den Streik beenden und wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren werde. Die beiden Parteien hätten in den vergangenen Tagen intensive informelle Gespräche „in sehr partnerschaftlicher Atmosphäre“ geführt. „In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, ob Verdi und die Telekom in Zukunft gemeinsame oder getrennte Wege gehen werden“, sagte Sattelberger. Die Telekom will die Service-Einheiten auch ohne die Zustimmung von Verdi wie geplant zum 1. Juli starten.

Verdi zeigt sich zunächst skeptisch. „Uns liegt kein offizielles Verhandlungsangebot der Telekom vor“, sagte Streik-Leiter Ado Wilhelm. „Es ist schon ein merkwürdiges Verfahren, wenn die Telekom zuerst die Presse informiert. Das legt den Schluss nahe, dass das Unternehmen uns öffentlich unter Druck setzen will.“

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