Auslandsstrategie
Disney passt sich an

Die Zeiten sind vorbei, in denen Disney die ganze Welt mit amerikanischen Filmen und Comics beglücken wollte. Um im Ausland so erfolgreich zu werden wie daheim, will sich der US-Konzern kulturell anpassen. Erste Schritte dahin hat das Traditionsunternehmen bereits getan.

MÜNCHEN. „Vor zehn Jahren kamen noch 90 Prozent aller Ideen aus der Zentrale in Kalifornien. Heute entwickeln wir die Stoffe weltweit“, sagte Andy Bird im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Engländer ist im Vorstand des amerikanischen Unterhaltungskonzerns für das internationale Geschäft zuständig.

„Damit wir im Ausland so erfolgreich werden wie in den USA, müssen wir uns kulturell anpassen“, unterstrich der Manager. Erste Schritte dahin hat das Traditionsunternehmen bereits getan, weitere sollen folgen. So hat Disney den ersten nur für China produzierten Film in die Kinos gebracht. In Indien hat sich der Konzern mit einem lokalen Anbieter verbündet, um vor Ort in Bollywood Streifen für den einheimischen Markt zu drehen.

Disney hat allen Grund, das internationale Geschäft auszubauen. Denn die Firma aus dem Großraum Los Angeles erwirtschaftet gerade einmal ein Viertel ihrer Erlöse außerhalb der Vereinigten Staaten. Das ist wenig im Vergleich zu anderen US-Konzernen. Beim weltweit führenden Chiphersteller Intel zum Beispiel ist das Verhältnis genau umgekehrt: Vier von fünf Dollar stammen aus dem Ausland.

Deshalb sieht Disney jenseits der US-Grenzen noch enormes Wachstumspotenzial. Das gilt einerseits für Schwellenländer wie Indien, China oder Russland, wo Donald & Co bislang kaum vertreten waren.

Das gilt aber auch für Deutschland. Hier ist das Unternehmen den Menschen zwar schon seit Jahrzehnten ein Begriff. Mit Comic-Heften und Disney-Filmen sind Generationen deutscher Kinder groß geworden. Darüber hinaus gehört Disney die Hälfte am Kindersender Super-RTL.

Doch damit will sich Bird nicht begnügen. Der Medienmanager sucht nach neuen Einnahmequellen. „Wir halten immer Ausschau, ob wir nicht bei deutschen Filmen als Co-Produzent mitmachen können,“ sagt Bird. Beispiele gibt es bereits: An der Jugendfilmreihe „Die wilden Kerle“ hat sich Disney beteiligt. Der künstlerisch größte Erfolg gelang mit „Das Leben der Anderen“. Der Film gewann in diesem Frühjahr in Hollywood einen Oscar.

Dazu kommt, dass Disney auch an deutschen Firmen interessiert ist. Mit dem Münchener Handyspiele-Entwickler Living Mobile haben sich die Amerikaner bereits ein deutsches Unternehmen zugelegt. Die Akquisition zeigt beispielhaft, wohin der Weg von Disney in Deutschland gehen wird. „Neue Technologien sind für uns enorm wichtig“, erklärte Bird. So will der Konzern in Deutschland unter anderem das Geschäft mit Computer- und Handyspielen ausbauen. Darüber hinaus sollen die Disney-Inhalte auch übers Mobiltelefon vertrieben werden.

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