Aussage im Korruptionsprozess
Ex-Infineon-Chef schwer belastet

Nach Andreas von Zitzewitz geraten nun auch weiterer ehemalige Infineon-Vorstände in den Korruptionsskandal um den deutschen Chiphersteller. Eine Aussage des angeklagten Sponsoring-Vermittler Udo Schneider vor Gericht belastet den früheren Konzernchef Ulrich Schumacher schwer.

HB MÜNCHEN. Spektakuläre Wende im Infineon-Korruptionsprozess: Der angeklagte Sponsoring-Vermittler Udo Schneider hat nach eigener Aussage auch dem früheren Konzern-Chef Ulrich Schumacher große Summen Schmiergeld gezahlt. Er habe Schumacher allein im Jahr 2003 insgesamt etwa 300 000 Dollar zugesteckt, sagte Schneider am Montag vor dem Münchner Landgericht. Im Jahr zuvor seien es mindestens 50 000 Euro gewesen. „Ich habe alles versucht, damit ich bei Infineon im Geschäft bleiben kann.“ Schumacher habe das Geld für Autorennen und seine Oldtimer ausgegeben. Im Umfeld des Verfahrens geht man davon aus, dass mit der umfassenden Aussage Schneiders eine mögliche Anklage-Erhebung gegen Schumacher näher gerückt ist. Infineon kündigte an, eine Schadenersatzklage werde intensiv geprüft.

Bisher stand der frühere Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz im Mittelpunkt des Skandals. Er hat die Annahme von Schmiergeld gestanden. Gegen Schumacher laufen ebenfalls seit längerem Ermittlungen. Allerdings hatte Schneider bis vergangene Woche in Sachen Schumacher geschwiegen. Schumacher beteuerte am Montag über einen Sprecher erneut, er habe kein Geld angenommen. Er wolle am Dienstag in einer Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft ausführlich zu den Vorwürfen Stellung beziehen.

Schneider hatte für Infineon das Motorsport-Sponsoring organisiert. Anfangs habe er für die rennsportbegeisterten Schumacher und Zitzewitz die Kosten für die private Teilnahme an Autorennen übernommen, sagte Schneider. Bezahlt habe er die Kosten aus den Einnahmen aus dem Vertrag mit Infineon. „Die wussten, dass das nicht rechtens ist, was ich da mache.“ Schumacher habe sich immer wieder erkundigt, wie er die Ausgaben verbuche, damit nichts auffliege.

Als Schumacher und Zitzewitz die Angelegenheit zu heiß geworden sei, hätten die beiden Manager die Ausgaben für Reifen, Teilnahmegebühren und Reparaturen zunächst selbst getragen. Schneider habe ihnen dann später das Geld jeweils bei den Treffen in einem Briefumschlag zugesteckt. Dafür habe er sich Infineon als Auftraggeber lukrativer Motorsport-Werbeverträge gewogen gehalten. Schumacher habe das Geld hin und wieder regelrecht eingefordert. „Nachdem ich einmal die Zusage gemacht habe, dass ich ihm das gebe, hat er auch deutlich gemacht, dass er das jetzt auch endlich haben will“, sagte der Geschäftsmann. Schumacher habe über die Summen Buch geführt.

Das Landgericht München verurteilte den Sponsoring-Vermittler Udo Schneider zu vier Jahren Haft. Angesichts der umfassenden Aussage hatte Richter Wolf-Stefan Wiegand dem angeklagten Sponsoring-Vermittler eine Minderung der Gefängnisstrafe um etwa ein Jahr in Aussicht gestellt. Schneider sitzt bereits seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft.

Schumacher hatte im Frühjahr 2004 seinen Hut bei Infineon nehmen müssen. Vor Gericht streiten sich das Unternehmen und der Manager derzeit um die zweite Rate seiner Abfindung, die Infineon auf Eis gelegt hat. Begründet wurde dieser Schritt zum einen mit den laufenden Ermittlungen. Zudem gebe es Hinweise, dass Schumacher private und berufliche Interessen verquickt habe. Nun sagte ein Infineon-Sprecher: „Wenn die Anschuldigungen zutreffen, werden wir uns natürlich eine Schadenersatzklage vorbehalten.“ Derzeit prüft Infineon unter anderem, ob ein solcher Schritt bereits jetzt eingeleitet werden kann oder ob der Ausgang der Ermittlungen gegen Schumacher abgewartet werden muss.

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