Ausspäh-Affäre
Telekom bespitzelte sogar den eigenen Vorstand

Laut einem Medienbericht hat die Sicherheitsabteilung der Deutschen Telekom nicht nur Journalisten und Aufsichtsräte, sondern auch Vorstandsmitglieder wie den noch amtierenden Finanzchef Karl-Gerhard Eick ausgespäht.

HB HAMBURG/BERLIN. Bei der Bespitzelungsaffäre seien auch Führungskräfte wie der noch amtierende Finanzchef Karl-Gerhard Eick verdächtigt worden, interne Informationen an die Presse weitergegeben zu haben. Die Ermittler seien auf einen Vermerk gestoßen, aus dem sich erkennen ließe, dass auch eine Quelle aus der „Bild“-Zeitung dortige Interna an die Telekom weitergegeben haben solle. Ob es dafür einen realen Hintergrund gibt oder ob sich ein Sicherheitsmitarbeiter nur wichtig machen wollte, ist nach Angaben der Telekom bislang unklar.

„Es ist für uns absolut unvorstellbar, dass ein Mitarbeiter der „Bild“-Redaktion Informationen an die Telekom weitergegeben hat“, sagte der Sprecher der Axel Springer AG, Tobias Fröhlich. Es lägen auch keine Erkenntnisse darüber vor. Sollte es dafür ernstzunehmende Belege geben, werde man der Sache mit aller Konsequenz nachgehen. Laut „Bild“-Sprecher sind fast jeden Tag bei den Redaktionssitzungen auch externe Gäste anwesend. Daher sei es nicht unwahrscheinlich, dass Informationen aus diesen Konferenzen nach außen dringen. Dabei handele es sich aber nicht um vertrauliche Dinge.

Ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft machte keine Angaben, ob der Vermerk bekannt sei. Ein früherer Sicherheitsmitarbeiter der Telekom sitzt seit zwei Monaten in Untersuchungshaft. Ihm werden unter anderem Betrug, Untreue und Verstoß gegen Datenschutzbestimmungen vorgeworfen. Er soll die Bespitzelung von Aufsichtsräten und Journalisten organisiert haben. Es steht im Raum, ob er in der Art der Durchführung im Auftrag oder eigenständig gehandelt hat.

Unter Berufung auf interne Untersuchungsberichte der Telekom schreibt der „Spiegel“, auf der Suche nach möglichen Lecks seien heimlich Reise- und Kalenderdaten ausgewertet worden. Auf der Liste der von der Konzernsicherheit verdächtigen Personen hätten neben ehemaligen Managern wie Ex-Telekomchef Ron Sommer auch amtierende Manager des Jahres 2006 gestanden. Die Konzernsicherheit habe ein Konzept zur Ermittlung von Indiskretionen erarbeitet.

In diesem Zusammenhang sei auch die „Bild“-Zeitung ins Visier möglicher Spähattacken geraten. So sei der damalige Konzernchef Kai- Uwe Ricke noch kurz vor seiner Ablösung im November 2006 über den Stand der Ermittlungen unterrichtet worden. Dabei seien auch „Interna aus Redaktionssitzungen“ der „Bild“-Zeitung erwähnt worden.

Ein Telekom-Sprecher sagte am Samstag, das Unternehmen habe im Mai 2008 die entsprechenden Unterlagen der Staatsanwaltschaft übergeben. Der Aufsichtsrat habe sich in der vergangenen Woche mit einem Bericht dazu befasst. Es gebe jedoch keine neuen Erkenntnisse.

Der SPD-Rechtspolitiker Dieter Wiefelspütz sagte der „Welt am Sonntag“, die Täter müssten zur Verantwortung gezogen werden. Sie hätten ein rechtsstaatsfeindliches und demokratiefeindliches Verhalten an den Tag gelegt. (Die Berichte lagen vorab in redaktioneller Fassung vor.

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