Ausweitung des Arbeitskampfs
Verdi bestreikt Telekom mindestens bis Mittwoch

Im Konflikt mit der Deutschen Telekom hat die Gewerkschaft Verdi ihre Streiks ausgeweitet. Am Montag seien bis zum Mittag bundesweit rund 15 000 Beschäftigte der Arbeit ferngeblieben, um gegen den Sparkurs im Service zu protestieren, teilte Verdi mit.

HB DÜSSELDORF. Der Arbeitskampf ziele auf die Call-Center, den technischen Kundendienst und die Infrastruktur, sagte ein Verdi-Sprecher. Für Dienstag würden erneut rund 15 000 Streikende erwartet. Der Arbeitskampf werde zumindest bis Mittwoch fortgeführt, sagte der Sprecher.

Der Streik ist der erste in der Geschichte der früheren Behörde. Seit Freitag protestieren Beschäftigte des Bonner Konzerns gegen die Pläne des Vorstands, rund 50 000 Mitarbeiter in konzerneigene Service-Gesellschaften auszugliedern. Die Beschäftigten sollen dort 38 statt 34 Stunden in der Woche arbeiten und weniger verdienen. Das Management begründet die Pläne damit, den Konzern im Inland wettbewerbsfähiger machen und die Arbeitsplätze langfristig sichern zu wollen. Am Freitag hatten nach Gewerkschaftsangaben gut 11 000 Menschen die Arbeit niedergelegt.

Verdi lehnt die Pläne des Managements ab: Damit würden weder die Service-Probleme des Konzerns gelöst noch der Kundenschwund gestoppt. Mit dem Streik will die Gewerkschaft bessere Beschäftigungsbedingungen und Löhne herausholen. Seit Verdi auch ein zweites Angebot der Telekom ausgeschlagen hat, ruhen die Gespräche. Ein Kompromiss bis zum Stichtag für die Ausgliederung am 1. Juli scheint kaum möglich.

Die Telekom wird den betroffenen Mitarbeitern bis Ende Mai Verträge nach den mit Verdi für andere Bereiche ausgehandelte Tarifen anbieten. Theoretisch bliebe auch die Möglichkeit, die Mitarbeiter ohne Tarifvertrag in die Gesellschaften zu überführen. Auch mit einem Verkauf von Service-Sparten müsse sich die Telekom auseinandersetzen, hatte Konzernchef Rene Obermann am Wochenende gedroht.

Verdi sieht erste Auswirkungen des Ausstands: Die Telekom sei angesichts der großen Zahl an Streikenden nicht in der Lage, Ausfälle immer schnell genug zu kompensieren, sagte der Sprecher der Gewerkschaft. Obermann hatte eingeräumt, dass es zu Beeinträchtigungen im Außendienst und den Call-Centern kommen könne. Der Konzern versucht dies aufzufangen, indem Mitarbeiter anderer Standorte, Beamte oder externe Kräfte eingesetzt werden oder Arbeitszeitkonten ausgenutzt werden.

Bestreikt werden auch die beiden Niederlassungen, die mit dem Aufbau der Telekommunikations-Infrastruktur für den G8-Gipfel in Heiligendamm vom 6. bis acht Juni beschäftigt sind.

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