Autorennbahn Anki Drive
Großangriff aufs Kinderzimmer

Da wird das Kind im Manne verrückt: Die Autorennbahn Anki Drive bringt das alte Carrerabahn-Gefühl ins Digitalzeitalter. Ab September beginnt das Start-Up seinen Angriff auf die Spielebranche – bald auch in Deutschland.
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San FranciscoHanns Tappeiner und seine Mitgründer haben Großes vor. Ausgestattet mit 105 Millionen Dollar Risikokapital wollen sie die Spielwarenindustrie revolutionieren: Sie haben eine Art Carrerabahn entwickelt, bei der Fahrer ihre Autos mit dem Smartphone steuern und der Computer mit Künstlicher Intelligenz als eiskalter Gegner mitfährt. So schlau war Spielzeug noch nie.

Nun ist Revolution ein arg strapaziertes Wort im Silicon Valley. Aber wenn die Kapitalgeber klangvolle Namen haben wie Andreessen Horowitz, Index Ventures, Two Sigma und JP Morgan, dann hört die Branche aufmerksam zu. Zumal die Branche vor dem Start der weltgrößten Spielwarenmesse in New York dringend neue Impulse braucht. Die Marktforscher von NPD Group melden lediglich ein Wachstum von vier Prozent für den US-Markt in 2014 auf 18,08 Milliarden Dollar.

Während Tablet- und Smartphone-Verkäufe boomen, bescherten ausgerechnet die stärksten Weihnachtstage im Handel eine herbe Enttäuschung. Die Woche um den Irrsinns-Rabatt-Tag „Black Friday“ brachte ein Umsatzminus von zwei Prozent zum Vorjahr, die Online-Schnäppchenwoche um „Cyber Monday“ ein marginales Plus von einem Prozent. Anders bei Anki: Der Online-Händler Amazon meldet Ende Dezember, dass das Startpaket im Weihnachtsgeschäft auf Platz zwei der meistverkauften Spielzeuge stand, geschlagen nur noch von Disneys „Frozen“-Eisprinzessin Elsa.

Für die drei Anki-Gründer ist das schwierige Umfeld erst recht ein Grund, einzusteigen. Statt bei SpaceX auf die Reise zum Mars zu gehen oder bei Google selbstfahrende Autos zu entwickeln, bauen die Robotik-Experten Spielzeugautos. Die neue Version „Anki Overdrive“ verschmilzt das reale Autorennen mit einem digitalen Computerspiel – der Spieler agiert in beiden Welten.

Warum soll das revolutionär sein? Der gebürtige Österreicher Tappeiner, der wie seine beiden Mitgründer an der berühmten Carnegie Mellon Universität studiert hat, zieht nüchtern Bilanz der Spielzeug-Industrie: „Da wird hier und da etwas Digitales übergestülpt oder eine App an die Spielzeuge angepappt. Aber die grundlegenden Spielemuster sind immer noch so wie vor 30 Jahren.“

Die Spielwarenhersteller der Stadlbauer-Gruppe aus Österreich wissen, wovon Tappeiner redet. 1963 erfunden, erlebte die Carrerabahn einen raketenartigen Aufstieg und feierte in den 70er Jahren ihre besten Zeiten. Doch das Flitzen auf schwarzen Plastikbahnen mit Steilkurven wurde bald eintönig. Zum einen, weil es immer mindestens zwei Spieler braucht, um ein Carrera-Rennen zu fahren. Aber der Papa blieb immer länger auf der Arbeit und die Schulkameraden waren abends zu Hause. Zum anderen war es einfach irgendwann altbacken.

Es ging mit der Firma rapide bergab und 1985 folgte der Konkurs. 1999 übernahm Stadlbauer die Reste. Der Großteil des Programms wurde eingestellt, und dann behutsam weiterentwickelt. Es gibt Weichen für den Spurwechsel und digitale Fahrzeugsteuerung. Aber im Grunde blieb das heute 52 Jahre alte Spielprinzip unverändert. Carrerabahnen sind etwas für Sammler und Tüftler. Kinder im iPad-Alter muss man damit gar nicht mehr kommen.

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Großangriff aufs Kinderzimmer

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Stillstand nach einem Raketen-Volltreffer

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