Axa-Gründungsstudie
Der Mittelstand schlägt die Zuckerbergs und Musks

Unternehmensgründer in Deutschland genießen mehr Anerkennung als ihre Kollegen in den USA. Eine Studie zeigt, dass auch das Potenzial für mehr Start-ups da ist – wäre da nicht die Angst vor dem Scheitern.
  • 0

DüsseldorfGründer stoßen in Deutschland auf mehr Anerkennung als in den USA. Jeder zweite Bundesbürger gibt an, dass jemand, der sein eigenes Unternehmen aufgebaut hat, hierzulande mehr Ansehen genießt als ein Angestellter. In den Vereinigten Staaten glaubt das nur gut jeder Dritte (38 Prozent). Das ist das Ergebnis einer Gründungsstudie im Auftrag der Axa-Versicherung. Für die repräsentative Untersuchung wurden rund 1000 Deutsche und rund 1100 US-Amerikaner befragt.

Dass der Unterschied zwischen Deutschen und US-Amerikanern so deutlich sei, habe überrascht, sagte Axa-Vorstand Thilo Schumacher dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Wenn man an Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg oder Tesla-Gründer Elon Musk denkt, müsste das Ergebnis eigentlich umgekehrt sein.“ Den Grund für den positiven Blick auf Gründer in Deutschland sieht Schumacher im Mittelstand. „Die deutsche Unternehmenskultur schlägt das Popstartum in den USA“, so der Manager.

Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten sind die Deutschen zwar eher gründungsavers. Lag die Rate der Existenzgründungen in den Vereinigten Staaten 2013 bei 9,2 Prozent, waren es in der Bundesrepublik gerade mal 3,1 Prozent. Das belegen Daten des Global Entrepreneurship Monitor (GEM). Die Existenzgründungsrate zeigt an, wieviel Prozent der 18- bis 64 Jährigen ein Start-up gegründet haben oder dort involviert sind. Trotz der niedrigen Werte trauen sich 44 Prozent der befragten Bundesbürger zu, ein Unternehmen aufzubauen. In den Vereinigten Staaten gaben dies 42 Prozent der Studienteilnehmer an.

Auch Frauen würden in der Bundesrepublik eher eine Gründung wagen (39 Prozent) als ihre Kolleginnen in den Vereinigten Staaten (32 Prozent). Allerdings liegt der weibliche Anteil noch deutlich unter dem deutschen Gesamtdurchschnitt von 44 Prozent. Dass die Bundesbürger trotzdem seltener gründen als die US-Amerikaner, liegt auch an den hierzulande vergleichsweise großen und attraktiven Absicherungen für Angestellte, „die aufzugeben ungleich schwerer fällt als in den USA“, glaubt Thilo Schumacher.

Denn obwohl das Potenzial da ist, sorgen sich viele Deutsche um ihre finanzielle Sicherheit. 72 Prozent gaben an, dass fehlendes Kapital Hemmnisse für Unternehmensgründungen seien. 70 Prozent sehen auch im bürokratischen Aufwand eine Hürde.

Mehr als jeder Zweite (54 Prozent) hat zudem Angst vor dem Scheitern. Bei den Befragten in den USA waren diese Sorgen deutlich seltener vertreten. „Die positive Kultur des Scheiterns haben wir noch nicht gelernt“, sagt Schumacher.

Vier von fünf Befragten in der Bundesrepublik wünschen sich wohl auch deshalb Kooperationen zwischen neugegründeten und etablierten Unternehmen, wie die Untersuchung zeigt. Da ist es nur passend, dass die Axa-Versicherung im Oktober selbst einen sogenannten Innovation Campus gegründet hat, mit dem sie versicherungsnahe Start-ups unterstützen will. Die Frage, ob die Studie diesen bewerben solle, verneinte die Versicherung.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Axa-Gründungsstudie: Der Mittelstand schlägt die Zuckerbergs und Musks"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%