Axel Springer
Kein Interesse an Scout24-Gruppe der Telekom

Der Springer-Konzern übt sich in Bescheidenheit: Obwohl die Online-Marktplätze der Telekom gut ins neue Digital-Konzept passen würde, verzichtet das Verlagshaus. Bei Anlegern kommt die Entscheidung gut an.
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Berlin/FrankfurtDer Favorit macht einen Rückzieher: Der Medienkonzern Axel Springer ist aus dem Rennen um die milliardenschwere Telekom-Internet-Tochter Scout24 ausgestiegen. Eine Springer-Sprecherin bestätigte am Donnerstag Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Branchenkreisen, Springer sei "derzeit" nicht mehr interessiert. Ein Insider sagte, der Kaufpreis für die Anzeigenportale wie "ImmoScout24" und "AutoScout24" sei Springer angesichts der Wachstumserwartungen zu hoch gewesen. "Das hätte sich nicht gerechnet." Nun sind vor allem Finanzinvestoren noch im Rennen um Scout24. Sie haben Finanzkreisen zufolge Summen geboten, die einem Firmenwert von 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro entsprechen.

Banker halten es nicht für ausgeschlossen, dass Springer nur pokert und später in das Wettbieten einsteigt. Denn eigentlich könnte der Medienkonzern die besten Preise zahlen, weil er mit Scout24 strategisch mehr anfangen könnte als alle Bieter aus der Beteiligungsbranche. Und die Kasse von Springer ist vor allem nach dem Verkauf mehrerer Regionalzeitungen und Magazine an die Funke-Gruppe (WAZ) für 920 Millionen Euro gut gefüllt. Daher galt Scout24 über Monate als gefundenes Fressen für den "Bild"- und "Welt"-Herausgeber, der sein Geschäft radikal auf das Internet ausrichtet.

Die Telekom will in der kommenden Woche eine Handvoll Bieter auswählen, die bis Mitte Oktober endgültige Offerten abgeben dürfen. Darunter könnten laut Finanz- und Investorenkreisen unter anderem die Beteiligungsgesellschaften Hellman & Friedman, KKR, TPG, EQT, Providence und Silver Lake sein. Apax und CVC sind dagegen wie Springer nicht mehr dabei.

Das Telekom-Management favorisiert Kreisen zufolge nur einen Teilausstieg - die Mehrheit will der Telekommunikationsriese behalten. Die Offerten beziehen sich deshalb derzeit auf einen Anteil von 30 Prozent, der der Telekom 500 bis 600 Millionen Euro in die Kasse spülen würde. Doch bei einem hohen Preis wäre der Bonner Konzern auch zum Komplettverkauf bereit. Er hatte sich für die ganze Firma bis zu zwei Milliarden Euro erhofft. Ein Telekom-Sprecher wollte dazu nichts sagen. Der "Prozess der strategischen Überprüfung" von Scout24 laufe.

Die Telekom braucht das Geld aus dem Scout-Verkauf. Zusammen mit dem geplanten Börsengang seines britischen Mobilfunk-Joint- Ventures EE soll er genug einspielen, um den milliardenteuren Netzausbau in Deutschland und den USA zu finanzieren. Aus strategischer Sicht fällt ihr der Abschied nicht leicht: Internetgeschäfte wie Scout24 sollten eigentlich die Umsatzdelle im alten Telefongeschäft ausbügeln.

Springer-Chef Mathias Döpfner hatte das "grundsätzliche" Interesse an Scout24 mehrfach betont, zuletzt vor einem Monat. Einen vernünftigen Preis hatte er allerdings stets zur Bedingung gemacht. "Scout24 hätte strategisch gut zu Springer gepasst", urteilte Analyst Stefan Borscheid von der LBBW. Mit dem Rückzug demonstriere Döpfner finanzielle Disziplin, was angesichts der Zukäufe, die in den kommenden Jahren noch zu erwarten seien, ein wichtiges Signal sei. Ein Banker sagte: "Damit hat Springer die Botschaft geschickt: Wir sind nicht die, die den Preis treiben. Aber sie können immer noch am letzten Tag zurückkommen."

Auch ohne Scout24 dürfte Springer die Augen nach weiteren Übernahmezielen offen halten. Dafür hat sich der Medienkonzern vor einiger Zeit mit dem US-Finanzinvestor General Atlantic zusammengetan, der auch bei Scout24 mitgeboten hätte. Größter Zukauf der Firmengeschichte war bisher 2011 der Erwerb des französischen Immobilienanzeigen-Anbieters Seloger.com für 630 Millionen Euro. Zu Springer gehören Portale wie Immonet, Seloger und Stepstone sowie Online-Vermarktungsdienste wie Zanox. Das angestammte Print-Geschäft schrumpft derweil empfindlich mit dem Verkauf des "Hamburger Abendblatts", der "Berliner Morgenpost" und der Fernsehzeitschrift "Hörzu" zum Jahreswechsel.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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