Axel Springer

Keine Megadeals für 2016 geplant

Axel Springer will dieses Jahr wachsen – und dennoch auf größere Investitionen verzichten. Konzernchef Döpfner fahndet nach der abgesagten KGaA-Umwandlung nach neuen Möglichkeiten der Kapitalaufnahme.
Die Umwandlung in eine KGaA ist vom Tisch – nun muss sich Springer-Chef Döpfner nach neuen Geldquellen umsehen. Quelle: dpa
Springer-Hochhaus in Berlin

Die Umwandlung in eine KGaA ist vom Tisch – nun muss sich Springer-Chef Döpfner nach neuen Geldquellen umsehen.

(Foto: dpa)

BerlinMathias Döpfner sprach den Satz ruhig, beinah emotionslos aus: „2016 wird kein Jahr großer Investitionen werden“, sagte der CEO von Axel Springer am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz seines Hauses. Ein Journalist hatte wissen wollen, wie Springer große Akquisitionen künftig stemmen werde, nun da die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft auf Aktien (KGaA) abgeblasen ist, die Megadeals erleichtern sollte.

Das Berliner Medienhaus wird sich 2016 darauf konzentrieren, große Neuerwerbungen des Vorjahres zu konsolidieren. Das stand wohl auch schon vor dem Scheitern der KGaA-Pläne fest. Dass sie – abgesehen von Bedenken der freien Aktionäre – auch deshalb scheiterten, weil Hauptaktionärin Friede Springer „die Lust an einem Umbau verlor“, was auch mit Friktionen im Zusammenhang mit einer geplanten Nachfolgeregelung zu tun hatte, räumte Döpfner erstmals öffentlich ein.

Es gab ein Konzept von Friede Springers Anwältin Karin Arnold, das vorsah, nach dem Ableben der Verlegerwitwe ihre Anteile der Friede-Springer-Stiftung zufallen zu lassen. Der Stiftungsvorstand – Arnold ist dort derzeit neben Friede Springer einziges Vorstandsmitglied – hätte, so heißt es, in diesem Fall erhebliche Vetorechte eingeräumt bekommen und unter Umgehung des Aufsichtsrats auch die Zusammensetzung des Vorstands bestimmen können. Hätte man dieses Papier umgesetzt, wäre dies gleichbedeutend mit einer Brüskierung Döpfners gewesen. Ihn, den langjährigen CEO, bei einer Nachfolgeregelung im Hause Springer überhaupt nicht zu berücksichtigen, galt bisher als undenkbar.

Soweit weit wird es nicht kommen, das Arnold-Papier ist mittlerweile bekanntlich Makkulatur. Döpfner ist wieder obenauf und kann den Verzicht auf Großakquisitionen für dieses Jahr gelassen kommunizieren. Zumal der Vorstandschef verkündete, man werde Alternativen zur KGaA-Umwandlung entwickeln. Welche das sein könnten und wann sie frühestens greifen werden, mochte Döpfner nicht sagen. Im laufenden Geschäftsjahr will er sich auf die journalistischen Bezahlangebote seines Hauses konzentrieren.

Zudem soll die Online-Wirtschaftsplattform „Business Insider“ ebenso weiter entwickelt werden wie das US-Vermarktungsportal „Retale“ und die Nachrichten-App Upday, die Springer für den Technologiekonzern Samsung erstellt hat. Und schließlich sollen Online-Rubrikenmärkte wie Stepstone, Se Loger oder Immowelt weiter expandieren.

Das bringen die Medienriesen auf die Waage
Gehen die Medienkonzerne zusammen?
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Das Verlagshaus Axel Springer und die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 prüfen eine Fusion. Eine Idee mit Geschichte: Bereits 2006 hatte die Axel Springer AG versucht, Pro Sieben Sat 1 zu übernehmen, scheiterte jedoch am Einspruch des Bundeskartellamts. Die Wettbewerbshüter störten sich an einer zu großen Medienkonzentration unter einem Dach.

Axel Springer und Print
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Neben der auflagenstärksten Tageszeitung Deutschlands, der „Bild“, und der Zeitung „Die Welt“ als Print-Flaggschiffe erscheinen bei Axel Springer weiterhin zahlreiche nationale wie internationale Publikationen. Dazu gehören mit dem Boulevardblatt „Fakt“ beispielsweise die größte Tageszeitung Polens oder mit der „Handelszeitung“, die größte Schweizer Wirtschaftszeitung. Aufsehen erregte im Mai 2014 der Verkauf der traditionsreichen regionalen Tageszeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“, sowie mehrerer Programm- und Frauenzeitschriften für 920 Millionen Euro an die Funke-Mediengruppe.

Zeitschriften
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Bei Zeitschriften dominieren vor allem die zahlreichen „Bild“-Ableger von „Auto-Bild“ bis „Computer-Bild“ in Deutschland. Ein gutes Beispiel für die Medienmacht des Verlags bieten die Musikzeitschriften: Bereits seit 13 Jahren sind die ehemaligen Konkurrenten „Musikexpress“ und „Rolling Stone“ unter dem Dach von Axel Springer vereint – gemeinsam mit dem Alternativ-Magazin „Metal Hammer“, das sich an ein Metal- und Hard-Rock-affines Publikum richtet. Auch in der Schweiz ist der Springer-Konzern noch mit zahlreichen Publikationen zu diversen Themen und Programmzeitschriften vertreten. Den Schwerpunkt legt der Verlag aber nicht erst seit dem Geschäft mit Funke auf die Expansion im Multimedia- und Onlinebereich.

Expansion in die digitalen Medien
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Von seinen teils langjährigen Beteiligungen an zahlreichen regionalen Zeitungen und Verlagen trennt sich Springer seit 2009 systematisch. Dafür expandiert der Verlag immer stärker in den digitalen Medien. Mit finanzen.net betreibt der Konzern mittlerweile das führende deutsche Börsenportal. Über seine Tochter Smarthouse Media entwickelte er außerdem die Internetauftritte von Großbanken wie der BNP Paribas, der Royal Bank of Scotland und der Deutschen Bank oder Konzernen wie MAN.

News für Fußball-Fans
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Von 2011 bis 2014 erwarb der Verlag Anteile beispielsweise an dem Online-Shop-Betreiber Visual Meta, dem Neuwagenportal autohaus24.de und übernahm zu 100 Prozent die Allesklar.com AG, Betreiber des Portals meinestadt.de, das Informationen für über 11.000 deutsche Städte anbietet. Auch das bekannte deutsche Fußballportal transfermarkt.de gehört zu 51 Prozent dem Axel Springer Verlag.

Privates Radio
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Auch zahlreiche Radio-Beteiligungen nennt der Verlag sein Eigen. Zu 100 Prozent gehören beispielsweise die Sender Antenne 1 aus Baden-Württemberg oder Radio NRW zu Axel Springer. Der Konzern ist an privaten Radiosendern in der gesamten Republik, von Bayern bis Berlin, meist direkt beteiligt.

N24 und Talpa Germany
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Seit 2013 gehört der Nachrichten- und Infotainmentsender N24 zum Springer-Imperium und ist mit der „Welt“-Gruppe zusammengeführt. Bis 2016 steht N24 vertraglich als Nachrichtenlieferant für die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 fest. Künftig soll der Sender auch die Marke „Welt“ im Namen tragen. Im Fernsehgeschäft ist Axel Springer bereits seit 1999 aktiv. Ein Jahr vor der Jahrtausendwende wurde der Verlag alleiniger Gesellschafter der Produktionsfirma Schwartzkopff TV-Productions und produzierte über diese vor allem Talkshows („Andreas Türck“ oder „Kerner“) sowie Doku-Dramen und Doku-Soaps. 2004 übernahm die Produktionsgesellschaft Talpa Media 49,9 Prozent an Schwartzkopff, die Firma wurde im Zuge dessen in Talpa Germany umbenannt. Ende Juni übernahm Talpa das Unternehmen komplett.

Den digitalen Rubrikenmärkte, deren Erlöse 2015 um stolze 47,1 Prozent zulegten, ist es auch im Wesentlichen zu verdanken, dass sich die Zahlen des Konzerns sehen lassen können: Der Umsatz stieg um 8,5 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 10,2 Prozent auf 559 Millionen Euro zu. Und der Jahresüberschuss lag mit 279 Millionen Euro um 11,2 Prozent über dem von 2015. 2016 soll der Umsatz im niedrigen einstelligen, das Ebitda im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen.

Das vergleichsweise bescheidene Wachstumsziel bei den Erlösen hat laut Finanzvorstand Julian Deutz aber nichts mit dem Verzicht auf Groß-Akquisitionen zu tun. Es sei darauf zurückzuführen, dass Springer seine Schweizer Aktivitäten mit denen des Medienhauses Ringier zusammengeführt habe und diese nun beim eidgenössischen Partner der Deutschen konsolidiert würden.

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