Bahrein
Größte Oppositionszeitung unter Druck

Am Sonntag gab es in Bahrein keine "Al-Wasat". Das Informationsministerium in Bahrein knüpft die Aufhebung des Zeitungsverbots an Personalpolitik. Der Ex-Chefredakteur spricht von Einschüchterungen.
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ManamaDie Behörden in Bahrain haben im Zuge ihres verschärften Vorgehens gegen regierungskritische Medien vorübergehend die größte Oppositionszeitung verboten. Die „Al-Wasat“ erschien am Sonntag nicht, nachdem das Informationsministerium die Einstellung des Blattes verfügt hatte. Auch die Online-Ausgabe wurde gesperrt.

Nach der Kündigung des Chefredakteurs und der beiden wichtigsten Redakteure wurde das Verbot wieder aufgehoben. Das Informationsministerium habe zugestimmt, dass die Zeitung nach dem Ausscheiden der drei Journalisten von Montag an wieder erscheint, meldete die amtliche Nachrichtenagentur BNA.

Chefredakteur Mansur al Dschamri sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe gekündigt, um der Zukunft von „Al-Wasat“ und der Existenzgrundlage seiner Mitarbeiter nicht zu schaden. Gegen ihn habe es eine Hexenjagd gegeben.

Laut BNA wurde das Verbot der Zeitung mit „unethischer“ Berichterstattung über den Aufstand der schiitischen Opposition gegen die sunnitischen Herrscher des Königreiches begründet. Das Regime des Golfstaates hat seit Beginn der seit Wochen andauernden Proteste und teils gewaltsamen Zusammenstöße seine Kontrollen über die Medien drastisch verschärft.

Der König des 700.000 Einwohner zählenden Golfstaats verhängte im März den Ausnahmezustand. Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten haben mindestens 20 Menschen das Leben gekostet, zahlreiche Demonstranten, Aktivisten und Oppositionspolitiker wurden festgenommen. Blogger und Journalisten wurden von bewaffneten Schlägern bedroht.

„Seit die Notmaßnahmen verkündet wurden, haben wir unter extremen Bedingungen und immensem Druck gearbeitet“, sagte al Dschamri. Die Druckerei der Zeitung sei im vergangenen Monat zwei Mal verwüstet worden und Journalisten, Redakteure und andere Angestellte von „Al-Wasat“ seien Opfer „einer systematischen Einschüchterungskampagne der staatlichen Medien“ geworden.

Die erste Ausgabe der Zeitung erschien im September 2002. Die Tageszeitung hat eine Auflage von rund 15.000 Exemplaren und auch ihr Internetportal ist beliebt. Insgesamt beschäftigt „Al-Wasat“ 200 Angestellte, darunter 50 Journalisten.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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