Balda
Panik in Ostwestfalen

Die Sanierung schien schon zum Greifen nah. Dann brach der Kurs der Balda-Aktie erneut ein - um mehr als 20 Prozent. Die Aktionäre finden seitdem nicht mehr in den Schlaf. Was sich seit Tagen und Wochen rund um den ostwestfälischen Handyausrüster abspielt, lässt Aktienspezialisten zu ungewohntem Vokabular greifen.

DÜSSELDORF. Als "obskure Situation" beschreibt die Landesbank Baden-Württemberg die Lage. Großaktionär Audley Capital spricht von "irrationalen Kursausschlägen". Und Kleinanleger wie "Valueandi" hinterlassen im Internetforum zu Balda schlicht die Nachricht: "Bloß raus hier!"

Beim Totalumbau des Mittelständlers knirscht und knarrt es ohne Unterlass. Balda, das war in den vergangenen Jahren ein Hersteller von Plastikschalen für Handys. Kein spektakuläres Geschäft - aber mit Großkunden wie Siemens/BenQ und Nokia fiel immerhin Arbeit für fast 4 000 Menschen in Europa und 8 000 weltweit an. Dann ging die Welt unter.

Die Pleite von BenQ 2006 war nur der erste Schlag. Ein Handyhersteller nach dem anderen erklärt die Handyproduktion in Europa für unwirtschaftlich und zieht sich zurück. Im Sommer fällt Vorstandschef Joachim Gut dann eine Entscheidung, deren Reichweite zu diesem Zeitpunkt kaum jemand nachvollziehen kann: Balda beteiligt sich an der chinesischen High-Tech-Firma TPK.

"Was immer man sonst von Gut halten mag - damit hat er die Firma gerettet", sagt ein Analyst. Während im europäischen Handygeschäft die Dämme brechen, hat der Vorstand zumindest den Aktionären ein Rettungsboot gebaut. Womit er nicht rechnen kann: Die Segel wollen hier schon bald andere setzen.

Ein englischer Hedge-Fonds ist einer der ersten, der begreift, was bei Balda vor sich geht. Audley Capital steigt bei Balda ein und kündigt sogar an, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Was es damit auf sich hat, bleibt unklar - Audley legt kein Angebot vor. Statt dessen tummeln sich bald weitere Finanzinvestoren in Bad Oeynhausen - von Florian Homm bis Guy Wyser -Pratte.

Im Januar 2008 begreift dann auch der Rest der Welt, was die Hedge-Fonds offenbar schon vorher wussten: Mit seiner Beteiligung an der chinesischen TPK kann sich Balda zu einem völlig anderen Anbieter wandeln. TPK stellt die berührungsempfindlichen Bildschirme (Touch-Screens) für das neue iPhone von Apple her. Apple - das klingt nach Kultprodukten und Traummargen. Der Kurs der Balda-Aktie schlägt eine ganz neue Richtung ein: aufwärts.

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