Ballungsraum Dresden
Ein Quantum Hoffnung für Halbleiterindustrie

Der Chiphersteller Qimonda hat Insolvenz angemeldet. Die Wirtschaftskrise ist nicht alleine schuld. Seither geht im "Silicon Saxony", Sachsens Halbleiterballungsraum, die Angst um: in den Werkshallen, in der Stadt, bei der Konkurrenz, in der Politik. Aber nicht jeder hat bereits aufgegeben.

DRESDEN. Traurig ist er nicht, noch nicht, eher ratlos. Was jetzt? "Es wäre ein Jammer, wenn es nicht mehr weiterginge." Der Mann schaut in das Dunkel der Nacht, hinter seinem Rücken zeichnen sich die langen Reihen der Werkshallen ab. Seit vergangenem Freitag hat hier der Insolvenzverwalter das Sagen. Wie Gespenster wirken die Bäume des nahen Waldes, still ist es, nur die metallenen Befestigungen der Fahnen klappern leise gegen die Masten vor dem Werkstor. Das Firmenemblem ist kaum zu erkennen. Es ist ein großes, geschwungenes Q, das da vorne prangt, ein stilisierter Schlüssel.

Vor nicht allzu langer Zeit stand er für große Hoffnungen.

Das große Q, hier in Dresden steht es für Qimonda, den Speicherchiphersteller im "Silicon Saxony", wie diese Region in Anlehnung an das kalifornische "Silicon Valley" stolz genannt wird. Stolz ist man hier noch immer auf das Tal der Chips. Doch Qimonda musste vor wenigen Tagen Insolvenz anmelden. Weil die Verluste einfach nicht mehr tragbar waren.

Für morgen, Dienstag, planen IG Metall und Betriebsrat eine Demonstration. Einer der Hoffnungsträger in der Region steht auf dem Spiel. Und vielleicht sogar die gesamte Region. Aber das ist nicht das, was dieser Qimonda-Mitarbeiter transportieren will, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, er könnte verbrannt sein für künftige Jobangebote. Also nennen wir ihn Peter Kaufmann. Seine Botschaft aber will er lesen. Sie lautet: Hier ist noch was drin, hier geht noch was! "Wir haben gute Erfolge. Wir haben eine tolle Technologie", sagt er, schon fast trotzig.

Noch etwa 3 000 Menschen arbeiten bei Qimonda in der sächsischen Landeshauptstadt, doch offen sprechen will keiner. Es geht das böse Gerücht, dies sei von der Unternehmensführung so gewollt. Am Ende ihrer Schicht gehen viele mit ernster, ja oft versteinerter Miene nach Hause, wollen keine Fragen beantworten. Nur Peter Kaufmann ist stehen geblieben und hat sich bereiterklärt, ein Stück zusammen zu gehen, der Öffentlichkeit einen Einblick in die Situation und die Gefühlslage zu geben. "Wir müssen das Tal überbrücken, uns jetzt fokussieren", sagt der Prozess-Entwickler, der bereits seit 1995 bei dem Konzern arbeitet. Ein Neuanfang könne doch auch eine Chance sein.

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