Bangen um Existenz
Skiverband stellt RTL Ultimatum

Eine Woche vor dem Start in die neue Weltcup-Saison fürchtet der Deutsche Skiverband (DSV) in der Hängepartie bei seinem TV-Vertrag um die mediale und wirtschaftliche Existenz und hat dem bisherigen Fernsehpartner RTL ein Ultimatum gestellt.

hps/HB DÜSSELDORF. Die Gerüstbauer werkeln unter Hochdruck an der Düsseldorfer Rheinpromenade. Sie montieren Tonnen von Brettern auf silbergraue Stahlgerüste. Nur der Kunstschnee aus der nahen Skihalle Neuss fehlt noch. Der Auftakt zum Weltcup der besten Ski-Sprinter am übernächsten Wochenende ist traditionell ein publikumswirksamer Start in die Skisaison. Der Sportkanal Eurosport wird das Ereignis übertragen. Doch so gut wie die Skisprinter haben es andere Wintersportler wie etwa die Langläufer und Skispringer nicht. Sie bangen um ihre mediale und wirtschaftliche Zukunft.

Denn die TV-Übertragungen im Skisport sind so unsicher wie die wirtschaftliche Zukunft des Deutschen Skiverbandes. Der langjährige Fernsehpartner RTL zeigt den Skifahrern die kalte Schulter. Deutschlands größter Privatsender und der Skiverband streiten sich über die Vergabe der Fernsehrechte. Dabei drängt die Zeit. Denn der Saisonstart steht vor der Tür, und der bisherige Vertrag läuft Ende Oktober aus. Ob die Vierschanzentournee der Skispringer auch diesmal bei RTL zu sehen sein wird, ist ungeklärt.

„Über die Blockadehaltung kommen wir an einen Punkt, wo es nicht um die Frage von einer Millionen geht, sondern wo die Existenz des Verbands auf dem Prüfstand steht“, sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann am Freitag in Ingolstadt. RTL wurde laut Hörmann am Freitag aufgefordert, sich spätestens in den nächsten vier Wochen zu entscheiden und die „Blockadehaltung“ aufzugeben. „Ein Rosenkrieg schadet beiden.“

Ohne TV-Vertrag würde nicht der Bildschirm bei alpinen und nordischen Weltcups in Deutschland – dazu zählen auch zwei Springen der populären Vierschanzentournee – schwarz bleiben.

Was ist passiert? Der Skiverband hatte im Mai die Fernsehrechte bis 2011 an die Schweizer Agentur Infront erkauft. RTL, die Fernsehtochter des Medienkonzerns Bertelsmann, pocht aber auf ein so genanntes Matching Right. Das heißt, RTL hat das Recht, das Angebot von Infront zu überbieten. Doch der Deutsche Skiverband bestreitet ein solches Optionsrecht. Womöglich wird der Vertragsstreit nun die Gerichte beschäftigen, vermuten RTL-Insider in Köln. Und das kann dauern.

Der Konflikt hat fatale Folgen: Infront kann die Fernsehrechte nicht verkaufen, RTL-Konkurrenten wie ARD und ZDF wollen sich nicht auf eine unsichere Rechtslage einlassen, und dem Skiverband fehlen nun Millionen Euro. In seiner Geldnot hat der Verband verfügt, dass alle Mannschaften unter Weltcupniveau kein Geld mehr ausgeben dürfen.

Das Wehklagen in den Reihen der Wintersportler ist groß. „Bis spätestens Mitte November müssen wir Klarheit haben, welcher Sender die Produktion und die Übertragung übernimmt. So prekär wie in diesem Jahr war es noch nie“, sagte Claus-Peter Horle, Chef des Oberstdorfer Skiclubs und Präsident der Vierschanzentournee. Bisher hatte der Skiverband rund 15 Mill. Euro pro Saison am TV-Geldern eingenommen. Künftig will RTL offenbar deutlich weniger zahlen. Ein Sprecher in Köln wollte keine Zahlen nennen. Er sagte nur: „Wir haben ein anständiges, marktgerechtes Angebot gemacht.“

Der Preisverfall hat gute Gründe. Die Quoten für die Skisprung-Übertragungen sind auf Talfahrt. Vor fünf Jahren sahen noch 8,7 Millionen Zuschauer den Wettbewerb. In der letzten Saison waren bei der Vierschanzentournee nur noch 4,8 Millionen vor den Bildschirmen.

Bei den Werbekunden kommen die Randsportarten daher immer weniger an. „Wintersport und Skiübertragungen sind für die werbungtreibende Industrie nur ein Randereignis. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Skiübertragungen geprägt von geringen Reichweiten, unattraktiven Übertragungszeiten und begrenzten Werbemöglichkeiten“, sagt Frank-Peter Lortz, Geschäftsführer der Mediaagentur Zenithmedia. RTL-Berater Hans Mahr bringt das ganze Dilemma auf den Punkt: „Jeder Sport ist so gut wie seine Sportler. Der Skisport ist nun mal in der Krise.“

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