Baustellen für Höttges
Wo die Probleme der Telekom liegen

Die Deutsche Telekom hat erneut höhere Quartalszahlen vorgelegt. Doch ein Blick hinter die Erfolgsmeldungen zeigt: Das Team um Konzernchef Timotheus Höttges hat viele Schwierigkeiten noch nicht gelöst. Eine Analyse.
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DüsseldorfIn der Gesamtbetrachtung kann die Führungsmannschaft um Telekom-Chef Timotheus Höttges zufrieden sein. Wichtige Kennzahlen in der Bilanz des dritten Quartals sind gestiegen, allen voran der Umsatz und das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Der Erfolg ist Grund genug für die Finanzexperten des Konzerns, die Prognose für das laufende Jahr zu erhöhen.

Die Deutsche Telekom erwartet nun, dass das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) zwischen 22,4 und 22,5 Milliarden Euro liegen wird. Ursprünglich sollten es 22,2 Milliarden sein. „Es ist ein außergewöhnlich gutes Quartal. Wir wachsen in allen unseren Märkten“, verkündete Höttges stolz.

Allerdings zeigen andere Kennzahlen: Bei der Telekom ist längst nicht alles rosig. Unter anderem ist der Konzernüberschuss um mehr als die Hälfte auf 507 Millionen Euro gefallen. Grund dafür ist eine Abschreibung auf den geschätzten Firmenwert der IT-Tochter T-Systems in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Nachdem das ganze Jahr Aufträge im klassischen IT-Großkundengeschäft ausblieben und die Sparte damit hinter den Erwartungen zurückblieb, mussten die Finanzer diesen Wert korrigieren.

Nur der gestiegene Wert von Frequenzspektren, die der Telekom-Tochter T-Mobile US gehören, sorgte dafür, dass der Konzern im dritten Quartal keinen Verlust schreiben musste: Der Wert der Frequenzen stieg insgesamt um 1,7 Milliarden Euro – unter dem Strich konnte die Bonner Konzernmutter davon 700 Millionen für sich verbuchen.

Neben T-Systems belastet auch das Europageschäft die Bilanz. Zwar betonte Konzernchef Höttges, der Umsatz sei in dem Segment um 1,6 Prozent gewachsen. Die Arbeit des seit Jahresbeginn amtierenden neuen Europa-Vorstandes trage Früchte. Weil man an Europa glaube, werde man weiter investieren.

Doch während das leichte Umsatzwachstum als Erfolg gefeiert wird, ist das bereinigte Ebitda um 2,9 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro gefallen, während die Investitionen um fast 55 Prozent auf 876 Millionen Euro stiegen.

Schwierig ist es nach wie vor in Rumänien, Österreich und Polen. Bei der polnischen Tochter ist das bereinigte Ergebnis um 29,6 Prozent auf 88 Millionen Euro gefallen. In dem Land ist der Marktdruck hoch. Daher hatte es bei der Telekom die Überlegung gegeben, die Tochter zu verkaufen. Der Konzern entschied sich letztendlich aber dagegen.

Rückschlag für die USA-Pläne

Positiv hat sich hingegen das Geschäft in den Niederlanden entwickelt. Obwohl der Umsatz dort gefallen ist, stieg das Ergebnis. Allerdings wird T-Mobile NL seit Jahresanfang nicht mehr im Segment Europa verbucht, sondern in Group Development, einer neu geschaffenen Sparte. Insgesamt fiel das bereinigte Ebitda dort trotz des Erfolgs in den Niederlanden allerdings um 12,6 Prozent auf 251 Millionen Euro. Einer der Gründe dafür sind laut Telekom Effekte aus der Umgliederung der Tochter Deutsche Funkturm, DFMG.

In Deutschland läuft es hingegen besser. Umsatz, Ergebnis und bereinigte Ebitda-Marge sind gestiegen. Ersterer nur leicht um 0,1 Prozent, dafür letztere auf einem hohen Niveau von 38,2 auf 39,9 Prozent. Bei derartigen Margen würden viele Wettbewerber die Champagnerkorken knallen lassen.

Allerdings muss die Telekom auch mehr investieren. In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat der Konzern bereits 3,1 Milliarden Euro ausgegeben. Die Telekom baut ihr Breitbandnetz stark aus, auch weil sie bei den schnellen Internetanschlüssen den Anschluss zu verlieren droht. Das Kupfernetz der Telekom kann nicht mit den hohen Geschwindigkeiten der Kabel- und reinen Glasfaseranbieter mithalten und muss deswegen aus- und umgebaut werden.

Nicht zu Unrecht lobte Höttges jedoch den scheidenden Deutschland-Vorstand Niek-Jan van Damme für ein „großartiges Quartal“ und betonte, er habe in seiner neunjährigen Amtszeit viel erreicht. Wesentlich für das positive Gesamtergebnis des Konzerns ist allerdings weiterhin die Telekom-Tochter T-Mobile US. Bereits Ende Oktober hatte der US-Chef John Legere seine Quartalszahlen vorgelegt. Unter anderem stieg das bereinigte Ergebnis um 6,1 Prozent, die Marge von 26 auf 27 Prozent.

Allerdings hat der Konzern bei seiner Lieblingstochter zuletzt einen Rückschlag hinnehmen müssen. Er hatte darauf gehofft, sie mit dem Wettbewerber Sprint zu fusionieren und Synergien zu heben, die von Experten auf mehr als 30 Milliarden Dollar geschätzt wurden. Aber die beiden Unternehmen hatten sich nicht auf die Konditionen einigen können.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte

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