Bedenken der EU: E-Plus bleibt kopflos

Bedenken der EU
E-Plus bleibt kopflos

Der drittgrößte deutsche Mobilfunker E-Plus wird noch länger ohne neue Führung auskommen müssen: Der designierte Chef Michael Krammer wird bis auf weiteres bei seinem bisherigen Arbeitgeber Telering in Österreich bleiben müssen.

DÜSSELDORF/WIEN. Grund ist die verlängerte Prüffrist der EU-Wettbewerbskommission, die bislang keine Genehmigung für den Kauf von Telering durch die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, T-Mobile, gegeben hat. Krammer sollte unmittelbar nach der Übernahme von Telering zu E-Plus nach Deutschland wechseln. Branchenkreise hatten mit dem 1. März gerechnet. Die EU nennt nach mehrmaliger Verlängerung jetzt den 28. März als „provisorisches Fristende“ der Übernahmeprüfung. Der ehemalige E-Plus-Chef Uwe Bergheim hatte das Unternehmen Ende vergangenen Jahres verlassen.

Ob die EU der Telekom überhaupt erlauben wird, Telering zu kaufen, ist derzeit alles andere als gewiss. Zwar ist die Telekom-Tochter T-Mobile „optimistisch, dass es zu einer Genehmigung kommt“, wie gestern ein Sprecher betonte. Auch bei der E-Plus-Mutter KPN heißt es: „Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass die Übernahme nicht wie geplant über die Bühne geht.“ Ein interner Zwischenbericht der EU lässt daran jedoch Zweifel aufkommen: Danach befürchtet die EU-Kommission, dass die Telering-Übernahme den Wettbewerb auf dem österreichischen Mobilfunkmarkt „erheblich behindern“ werde und „nach derzeitigem Kenntnisstand (...) unvereinbar“ mit den Marktregeln der EU sei. Kern der Bedenken ist, dass mit Telering der Preisbrecher auf dem österreichischen Markt wegfällt und T-Mobile nach einer Übernahme zusammen mit dem Marktführer Mobilkom gut zwei Drittel des Marktes beherrschen würde.

Die Deutsche Telekom hatte Mitte August angekündigt, Telering für 1,3 Mrd. Euro von der US-Gruppe Alltel kaufen zu wollen. Telering ist mit einem Marktanteil von rund 13 Prozent die Nummer vier auf dem Markt. T-Mobile deckt in Österreich etwa 25 Prozent des Marktes ab. Für die Telekom ist eine starke Position in der Alpenrepublik wichtig, weil sie zahlreiche Mobilfunkbeteiligungen in Osteuropa besitzt. Österreich dient vielen Unternehmen als Basis für ihre Geschäfte im Osten Europas. Bis zum 3. März will T-Mobile nun bei der EU in Brüssel verbesserte Lösungsvorschläge und zusätzliche Marktstudien vorlegen. Dazu bastelt die Telekom-Tochter unter anderem an einem Vertrag mit dem UMTS-Betreiber Hutchison, an den T-Mobile laut EU-Auflagen die redundante Netzinfrastruktur und UMTS-Frequenzen verkaufen muss.

Zudem argumentiert T-Mobile in Brüssel mit dem Beispiel Niederlande. Dort habe der Marktführer KPN im vergangenen Jahr den Mobilfunker Telfort kaufen dürfen, obwohl die Unternehmen zusammen auf einen Marktanteil von 51 Prozent kommen.

Sollte die Übernahme scheitern, gilt es als wahrscheinlich, dass Telering von seinem Besitzer Alltel an Finanzinvestoren verkauft würde. Genannt wird als Käufer die Fondsgesellschaft Permira. Aber auch der niederländische Ex-Monopolist KPN hatte Interesse an Telering bekundet – sich nach eigenen Angaben aber wegen des hohen Kaufpreises wieder zurückgezogen.

Nach Angaben von Telering sieht der Kaufvertrag vor, dass sowohl Alltel als auch T-Mobile von dem Geschäft zurücktreten können, wenn es bis zum 28. Februar nicht besiegelt ist. Klar ist jedoch, dass der Preis für die Braut Telering nach der so lange aufgeschobenen Hochzeit, den Monaten der verlorenen Zeit und mit demotivierten Mitarbeitern sicher nicht mehr bei 1,3 Milliarden Euro liegen würde.

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