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Befreiungsschlag von Telekom-Chef Obermann geht ins Leere: Neues Sicherheitsleck bei der Telekom

Die Deutsche Telekom hat am Samstag erneut eine riesige Sicherheitslücke eingeräumt. Die Daten von rund 30 Millionen Kunden konnten demnach von jedem beliebigen Internet-Rechner der Welt nur mit Hilfe weniger Benutzerangaben und eines Passworts eingesehen und manipuliert werden.

DÜSSELDORF. Die bislang großen Lücken bei der Datensicherheit halten die Deutsche Telekom in Atem. Am Wochenende musste der Bonner Konzern eine weitere Lücke im Sicherheitssystem eingestehen. Die Telekom räumte ein, dass die Daten von über 30 Mil-lionen Kunden einschließlich der Bankdaten relativ einfach abgerufen und verändert werden konnten. Ein Telekom-Sprecher wies am Sonntag aber darauf hin, dass die Sicherheitslücke bereits geschlossen sei. Seit Donnerstagabend könnten ohnehin – beispielsweise Mitarbeiter von T-Punkt-Läden - nicht sehr so leicht an die Kundendaten. Zudem sei der massenweise Missbrauch über das fünfstufige Einlogg-Verfahren so leicht nicht möglich gewesen.

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Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hatte am Wochenende den jüngsten Fall aufgedeckt. Demnach sei es möglich gewesen, in Hacker-Kreisen an die illegalen Daten zu gelangen. „Spiegel“-Redakteure hätte sich in die Datenbank von T-Mobile einloggen können und sen-sible Daten wie Bankverbindungen ausspionieren und verändern kön-nen. Offenbar waren die Sperrung von Handys, die Schaffung neuer Einzugsermächtigung oder die Änderungen von Telefontarifen mög-lich gewesen. Nach Telekom-Angaben vom Sonntag sind aber keine Schäden entstanden.

Die Telekom hatte als Reaktion auf die zahlreichen Datendiebstähle der vergangenen Monate am Freitag einen Umbau der Sicherheitsvorkehrungen und die Schaffung eines neuen Vorstandressorts für Datenschutz bekannt gegeben. Mit diesem Befreiungsschlag wollte Obermann seine Kritiker in die Schranken wiesen. „Wir wollen transparenter sein“, versprach der umstrittene Konzernchef in Bonn. Der Maßnahmen-Katalog ist umfangreich. Um sofort die Sicherheit zu erhöhen, hat die Telekom ein neues Ver-fahren für den Zugang zu ihren Da-tenbanken eingerichtet.

Ab sofort werden Kunden bei einer Änderung ihrer Daten eine Kurzmitteilung auf ihr Handy mit einer Zahlenkombination – im Branchenjargon TAN genannt – zugeschickt. Diese TAN-Nummer braucht dann der T-Mobile-Mitarbeiter, um die Kundendaten zu verändern. Außerdem werden in den T-Punkten alle Pass-wörter durch komplizierten Buchstaben- und Zahlenkombinationen ausgestattet, um den Zugriff von Unbefugten zu erschweren. Außer-dem will die Telekom bereits in dieser Woche eine Internetseite einrich-ten, um über die zahlreichen Fälle von Datendiebstahl im Konzern und den Erfolg der Ermittlungen aktuell zu informieren. Außerdem ver-sprach Obermann einen Daten-schutzrat mit konzernunabhängigen Experten einzurichten und einen jährlichen Datenschutzbericht vorzulegen.

Obermann Interesse am Datenschutz ist eine Reaktion auf die jüngsten Ereignisse. Erst am vorletzten Wochenende wurde der Datendiebstahl von 17 Mio. Kundendaten bekannt. Der Telekom-Chef und der Festnetz-Vorstand Timotheus Höttges haben sich mittlerweile bei zahlreichen Prominenten wie RTL-Moderator Günther Jauch oder Fernsehkoch Johann Lafer entschul-digt. Der Befreiungsschlag von Obermann am Freitag droht unterdessen Schaden zu nehmen.

Denn Obermann hat sein Versprechen einer größeren Transparenz nur teilweise eingehalten. Die vom „Spiegel“ auf-gedeckte Sicherheitslücke hat der frühere T-Mobile-Chef weitgehend unerwähnt gelassen, obwohl die Si-cherheitslücke erst in der Nacht von Donnerstag auf Freitag geschlossen werden konnte. „Wenn der Telekom-Konzern erst von außen auf diese Möglichkeit hingewiesen werden muss, zeigt dies eindeutig, dass man auf die Selbstheilungskräfte der Telekom im Bereich Datenschutz nicht vertrauen darf“, sagte Klaus Jansen, Chef des Bun-desverbandes Deutscher Kriminal-beamter, zum das Datenschutzchaos in Bonn.

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