Behörden ermitteln wegen geheimer Preisabsprachen
Mobilfunkbetreiber unter Kartellverdacht

Die französische Mobilfunkbranche ist in Aufruhr: Die drei Netzbetreiber Orange (Tochter von France Télécom), SFR (Vivendi Universal) und Bouygues Télécom stehen unter dem Verdacht, zwischen 1997 und 2002 geheime Preisabsprachen getroffen zu haben.

ali/lou PARIS/DÜSSELDORF. Diesen Vorwurf erhebt ein Bericht der französischen Wettbewerbsbehörden, aus dem gestern mehrere französische Zeitungen zitierten. Die EU hatte bereits zu Jahresbeginn ein Kartellverfahren gegen deutsche Mobilfunkbetreiber eingeleitet. 

Der Bericht der französischen Kartellaufsicht aus dem Jahr 2004 kommt zu dem Schluss, dass es „ein verdecktes Bündnis über einen langen Zeitraum gegeben hat, mit dem Ziel, die Marktanteile bei Neukunden einzufrieren.“ Manager der Mobilfunkfirmen hätten sich regelmäßig getroffen und Daten ausgetauscht.

Die drei betroffenen Unternehmen streiten die Vorwürfe ab. „SFR dementiert rigoros die Existenz jeglicher Absprachen über den französischen Mobilfunkmarkt“, hieß es etwa bei der Vivendi-Tochter. Dennoch gerieten die Aktien von France Télécom, Vivendi und Bouygues unter Druck. Bis Ende des Jahres wollen die französischen Wettbewerbsbehörden über mögliche Strafen entscheiden. Das Strafmaß kann bis zu zehn Prozent des Umsatzes erreichen.

Die EU-Kommission untersucht in ihrem im Februar eingeleiteten Verfahren überhöhte Mobilfunk-Gebühren bei Gesprächen über nationale Grenzen hinweg, dem so genannten „Roaming“. T-Mobile und Vodafone Deutschland hätten überhöhte Gebühren von Wettbewerbern verlangt, wenn deren Kunden eines der beiden deutschen Mobilfunknetze nutzten. Die Unternehmen streiten dies ebenfalls ab.

In Frankreich erheben Verbraucherschützer seit Jahren den Vorwurf, das Dreigespann aus Orange, SFR und Bouygues verhalte sich wie ein Kartell. Im Februar 2002 legte der Verbraucherschutzverein „Que Choisir“ Beschwerde bei den Kartellbehörden ein. Im Sommer 2003 durchsuchten Ermittler die drei betroffenen Unternehmen. Dabei sollen ihnen Unterlagen in die Hände gefallen sein, denen zufolge ein Manager der France-Télécom-Tochter Orange bei einer Vorstandssitzung im Oktober 2002 von einem „Jalta der Marktanteile“ gesprochen haben soll. Damit spielte er auf die Aufteilung Europas durch die Siegermächte kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 an.

2002 wurde Thierry Breton Chef von France Télécom, heute ist er Frankreichs Finanzminister. Er ließ gestern durch seine Sprecher dementieren, dass auf der Sitzung des Vorstands entsprechende Äußerungen zu einem „Jalta der Marktanteile“ gefallen seien.

Der französische Telekomregulierer Arcep wollte sich zu den Kartellvorwürfen nicht äußern, dies sei Sache der Wettbewerbsbehörden. Eine Arcep-Sprecherin fügte indes hinzu: „Wir stellten in unserer Marktanalyse vom Jahr 2004 fest, dass die Dynamik auf dem französischen Mobilfunkmarkt seit den Jahren 2000/2001 zu wünschen übrig lässt.“ So gibt es wenig Bewegung bei den Marktanteilen, zudem hinkt Frankreich bei der Handynutzung im europäischen Vergleich hinterher.

Auch in Deutschland hat es in den vergangenen Jahren keine starke Wettbewerbsdynamik im Mobilfunk gegeben, erst im Sommer 2005 setzte ein schärferer Preiswettbewerb ein. Bislang hatten die beiden Branchengrößen T-Mobile und Vodafone im Schnitt leicht höhere Tarife als die beiden kleinen Konkurrenten E-Plus und O2.

Die Kleinen brauchten diesen Vorteil, weil sie selbst lange Zeit Probleme mit der Netzabdeckung hatten. Einen Preiskrieg haben sie dabei vermieden. „Bisher scheinen die beiden großen Anbieter die etwas günstigeren Preise der Kleinen akzeptiert zu haben, ohne selbst darauf zu reagieren“, sagt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim. „Es scheint, dass die Kleinen ihre Preise nicht zu weit gesenkt haben, um keine Reaktion der Großen zu provozieren“, sagte er.

Müder Markt

Platzhirsche: Der französische Mobilfunkmarkt ist unter den Anbietern Orange, SFR und Bouygues aufgeteilt. Nach Ansicht von Verbraucherschützern lahmt der Wettbewerb zwischen den Unternehmen.

Neue Spieler: Der Telekomregulierer will den Konkurrenzkampf anheizen. Er hat Netzbetreiber gezwungen, Abkommen mit virtuellen Mobilfunkern abzuschließen, wie etwa Orange mit Tele2. Sie leihen sich Netzkapazitäten und verkaufen Tarife unter eigenem Namen.

Wirkungslos: Bislang haben die neuen Spieler noch keine nennenswerten Spuren im Marktanteilsgefüge hinterlassen. Der Regulierer will bis Ende 2006 die Marktfolgen prüfen und dann über weitere Schritte entscheiden.

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