Behörden ermitteln wegen Preisabsprachen
Infineon auch in Kanada unter Kartellverdacht

Der Druck auf Infineon steigt: Immer mehr Länder ermitteln wegen Preisabsprachen auf dem Speicherchip-Markt, an denen der Halbleiterproduzent beteiligt gewesen sein soll. Jetzt wurde bekannt, dass auch Kanada eine Untersuchung begonnen hat.

jojo MÜNCHEN. Die US-Behörden sowie die EU nehmen das Unternehmen bereits seit längerem wegen Kartellverdachts unter die Lupe. Ein Infineon-Sprecher betonte gestern, bislang sei kein weiteres Land bekannt, das ähnliche Untersuchungen eingeleitet habe. Die Ermittlungen in Kanada sieht Infineon dem Vernehmen nach gelassen, denn der Umsatz dort sei gering. Offenbar sind deshalb keine zusätzlichen Rückstellungen nötig.

Ganz anders sieht die Lage in den USA aus. Für eine mögliche Strafe der Behörden sowie für 25 Sammelklagen von Kunden haben die Münchener Rückstellungen über insgesamt 212 Mill. Euro gebildet. In den USA sitzen einige der wichtigsten Abnehmer der früheren Siemens- Tochter, darunter Dell, der größte PC-Hersteller der Welt. Infineon könnte es empfindlich treffen, wenn auch in Asien Kartelluntersuchungen eingeleitet würden, denn dort produzieren zahlreiche Großabnehmer aus der Elektronik- und Computerindustrie.

Im Kern geht es um Preisabsprachen der größten Speicherchiphersteller der Welt. Neben Infineon sind auch Weltmarktführer Samsung, der US-Konzern Micron sowie der koreanische Hynix-Konzern betroffen. Die Produzenten sollen die Preise zwischen November 2001 und Juni 2002 künstlich in die Höhe getrieben haben. In dieser Zeit lagen die Preise weit unter den Produktionskosten, und die Hersteller versuchten offenbar, einen weiteren Absturz zu verhindern. Infineon rutschte während der Branchenkrise tief in die roten Zahlen und musste Verluste von mehr als zwei Mrd. Euro hinnehmen.

Die Börse hat die schlechten Nachrichten über Kartellabsprachen aber offenbar schon verdaut. Gestern legte die Infineon-Aktie um rund ein Prozent auf knapp über neun Euro zu. Seit Jahresbeginn hat das im Dax notierte Papier jedoch ein Fünftel an Wert verloren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%