Behördenanfragen
Apple präsentiert erstmals Transparenzbericht

Im ersten Bericht zu Behörden-Anfragen kritisiert Apple vor allem die US-Regierung. Es gebe immer noch keine angemessene Regelung, um das Kundenrecht auf Auskunft über den Umgang mit persönlichen Daten zu schützen.
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CupertinoApple hat erstmals ausführliche Angaben zu internationalen Behörden-Anfragen nach Informationen zu Nutzern und Geräten veröffentlicht. Die weitaus meisten davon kommen aus den USA. Bei Anfragen nach Geräte-Informationen liegt Deutschland allerdings weltweit auf dem zweiten Platz. Solche Anfragen werden zum Beispiel bei der Suche nach gestohlenen iPhones oder iPads gestellt, wie Apple am Dienstag erläuterte.

Das Unternehmen habe noch nie eine Anweisung zur Herausgabe von Informationen nach dem US-Auslandsspionagegesetz erhalten, hieß es. Apple würde sich einer solchen Aufforderung nach Abschnitt 215 des Patriot Act auch widersetzen, erklärte der Konzern.

Dem Bericht zufolge erhielt Apple im ersten Halbjahr 2013 von US-Behörden zwischen 1000 und 2000 Anfragen zu 2000 bis 3000 Nutzerkonten. Die amerikanischen Internet-Unternehmen dürfen diese Zahlen nur in einer solchen Spanne veröffentlichen, seit sie auch bisher geheime Anfragen mitzählen können. Selbst am unteren Ende der Spanne waren US-Behörden mit Abstand am aktivsten: Großbritannien kommt auf dem zweiten Platz nur auf 127 Anfragen und Spanien folgt mit 102 Anträgen. Deutschland liegt mit 93 Anfragen auf Platz vier.

Apple betonte im Bericht, dass die Firma für mehr Transparenz, beispielsweise gegen die Stillhalteverpflichtung in den USA, kämpfe. Anfragen unter Berufung auf den umstrittenen Patriot Act zum Anti-Terror-Kampf der USA habe es noch nie gegeben. Ob, und wenn ja, welche Informationen überhaupt preisgegeben worden seien, dürfe der Konzern aber nicht mitteilen. Dazu hieß es im Bericht, Apple sei nicht im Geschäft der Datensammlung und verschlüssle Nachrichten sorgfältig.

Bei den Geräte-Informationen ist das Bild etwas ausgewogener. So habe es in den USA 3542 Anfragen zu gut 8605 Geräten gegeben. In Deutschland seien es 2156 Anträge zu 4928 Geräten gewesen.

„Wir sind absolut gegen diese Knebelpolitik“, heißt es in dem siebenseitigen Firmendokument. Obwohl der Konzern dies seit langem fordere, sei noch immer keine angemessene Regelung gefunden worden, um das Kundenrecht auf Auskunft über den Umgang mit persönlichen Daten zu schützen. Von einer Klage sehe Apple vorerst ab, allerdings habe der Konzern ein Schreiben mit der Bitte um mehr Transparenz an das US-Außenministerium gesandt.

Apples Transparenzbericht kommt nach ähnlichen Berichten von großen Internetfirmen wie Yahoo, Google, Facebook und Microsoft. Die meisten der Firmen starteten mit dem Veröffentlichen solcher Berichte, nachdem die Zeitung „Guardian“ das flächendeckende Ausspähen von Bürgern des US-Geheimdienstes enthüllte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Michaël Jarjour
Michaël Jarjour
Handelsblatt / Freier Journalist
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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