Bei der Beteiligungsgesellschaft 3i stehen mehrere Millionen Euro auf dem Spiel
Zanolli meldet überraschend Insolvenz an

Der Kölner Verlag Zanolli ist zahlungsunfähig. Wie dem Register des Amtsgerichts Köln zu entnehmen ist, stellte der von Guido Zanolli geführte Antiquariatsgroßhändler am Dienstag überraschend einen Insolvenzantrag. Zum vorläufigen Verwalter ernannte das Gericht den Kölner Rechtsanwalt Jörg Nerlich.

HB DÜSSELDORF. Erst im Dezember war die britische Investmentgesellschaft 3i über ihre Deutschlandtochter bei dem Buchgroßhändler eingestiegen, der unter anderem mit Bellavista-Kochbüchern, Candide-Romanen und Bildbänden unter dem Label Karl-Müller-Verlag auf dem Markt vertreten ist. Das Finanzierungspaket, an dem sich auch der Frankfurter Kreditversicherer BAG Factoring Media beteiligte, umfasste rund 20 Mill. Euro. Das Geld, schätzt man in Kreisen der beiden Hauptgläubiger, dürfte komplett verloren sein. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es für Zanolli keine tragfähige Lösung mehr gibt“, sagte eine Sprecherin von 3i.

Branchenbeobachter zeigen sich erstaunt darüber, dass Zanolli so kurz nach der umfassenden Unternehmensanalyse (due dilligence) durch die Beteiligungsexperten Insolvenz anmelden musste. „Das ist sehr erstaunlich und gibt Anlass für Spekulationen“, sagt Klaus Jost, Geschäftsführer der Buchhändler-Abrechungsgesellschaft BAG, an die Zanolli vor dem Insolvenzantrag einen Teil seiner Forderungen abgetreten hatte.

Wie es in einem anonymen Schreiben aus Mitarbeiterkreisen heißt, muss Geschäftsführer Guido Zanolli mit einer Anzeige wegen Kreditbetrugs und Insolvenzverschleppung rechnen. Auch seinem für Marketing und Strategie zuständigen Bruder Bruno Zanolli drohe ein Verfahren unter anderem wegen Beihilfe zur Bilanzfälschung. Der 3i vorgelegte Jahresbericht sei um einen Betrag von fünf Mill. Euro geschönt gewesen, lauten die Anschuldigungen.

Aus Unternehmenskreisen hieß es zudem, dass vor dem Einstieg von 3i Umsätze gebucht worden seien, die nicht wirklich realisiert wurden. Anfang 2005 habe man sie dann wieder ausgebucht. „Das scheint in gleich mehreren Fällen vorgekommen zu sein“, berichtet ein Insider. Am Ende hätten weder der Ertrag noch die Firmenkasse gestimmt.

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